Als Jan Fröhlich 2006 im Umfeld seines Weiterstädter Plattenladens „Subsonic“ begann, Nachwuchsbands zu unterstützen, konnte er kaum ahnen, was daraus entstehen würde. 20 Jahre später hat „Bandsupporter“ unzähligen Acts Bühnen, Kontakte und Aufmerksamkeit verschafft. Mit FRIZZ spricht Fröhlich über zwei Jahrzehnte Nachwuchsförderung, den Wandel des Musikgeschäfts – und die Zukunft seines Herzensprojekts. FRIZZ: Jan, vor ziemlich genau zehn Jahren haben wir schon einmal für FRIZZ miteinander gesprochen – damals zum zehnjährigen Bestehen von „Bandsupporter“. Jetzt sind tatsächlich 20 Jahre daraus geworden. Hättest du 2006 gedacht, dass dich diese Idee zwei Jahrzehnte später immer noch beschäftigen würde? Jan Fröhlich: Ich habe es zumindest gehofft. Mein Feuer für Nachwuchsbands brennt immer noch wie verrückt. Ich finde es total spannend, welche Perlen es gibt, die wahrscheinlich nie auf einer großen Bühne stehen werden, obwohl sie es eigentlich verdient hätten. Erwartet habe ich allerdings nicht, dass der „Bandsupporter“ 20 Jahre bestehen würde. Gerade Corona war eine krasse Zäsur. Vorher waren wir rund 40 Leute und haben neben dem Contest unter anderem Festivals, Konzertreihen und Radiosendungen gemacht. Nach Corona war davon erst einmal fast nichts mehr übrig. Ohne die Unterstützung meiner Freundin hätte ich Bandsupporter wahrscheinlich nicht wieder so an den Start bekommen, wie es heute läuft. Umso glücklicher bin ich, dass wir wieder da sind. Angefangen hat alles rund um deinen damaligen Plattenladen „Subsonic“ in Weiterstadt. Was hat dich 2006 dazu gebracht, nicht nur Musik zu verkaufen, sondern aktiv etwas für Bands aus der Region zu tun? Da kamen mehrere Dinge zusammen. In meinem Freundeskreis gab es schon immer viele Musiker, mein Bruder spielte in Bands und ich war selbst früher Schlagzeuger. Auch eine damals ziemlich bekannte Darmstädter Band wie „Common Spring“ hat mich darin bestärkt, etwas für diese Szene zu tun. Später gab es immer wieder Erlebnisse, die mich zusätzlich gepusht haben. Eines davon war ein Konzert von „Portugal. The Man“ im „Rind“ in Rüsselsheim. Da waren vielleicht 20 Leute, aber noch mehr als die Hauptband hat mich deren Vorband „Jazzwang Zoo“ begeistert. Ich dachte: Für solche Bands muss man einfach mehr tun. Dieser Gedanke zieht sich bis heute durch. „Bandsupporter“ ist nach wie vor im Wesentlichen Non-Profit und lief all die Jahre ohne öffentliche Fördergelder, sondern über Sponsoren und Eigenleistungen. 2016 hast du mir erzählt, dass „Bandsupporter“ anfangs eher nebenher lief und dann zunehmend professioneller wurde. Was ist „Bandsupporter“ heute – Initiative, Veranstalter, Netzwerk, Nachwuchsförderung? Von allem etwas. Besonders wichtig ist mir aber die Vernetzung der Bands untereinander. Bands aus Darmstadt bekommen beispielsweise oft kaum mit, was südlich von Mannheim passiert. Und für eine Band nördlich von Frankfurt ist Frankfurt häufig schon die Grenze. Dahinter fehlen die Kontakte und damit meistens auch die Möglichkeiten aufzutreten. Genau da setzen unsere Showcase-Reihe und auch der Contest an. Die Bands sollen sich kennenlernen und vernetzen, gleichzeitig aber auch die Möglichkeit bekommen, aus ihrer eigenen Region herauszukommen und mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Wenn du eine junge Band von heute mit einer Band vergleichst, die 2006 bei dir im Laden ihre erste CD abgegeben hat: Was können die Musiker heute besser – und was konnten die Bands damals vielleicht besser? Ich weiß gar nicht, ob man das so eindeutig sagen kann. Was früher aber definitiv stärker war, ist die echte soziale Komponente. Man war mehr miteinander in Kontakt, hat telefoniert, sich getroffen und auch persönlicher für die eigene Musik geworben. Heute läuft sehr viel über Social Media und ist dadurch unpersönlicher und leider auch ein Stück weit egaler geworden. Natürlich ist Social Media wichtig, um sich breiter aufzustellen. Bei meinen Konzerten merke ich aber immer wieder: Entscheidend ist letztlich, wie sehr die Bands selbst für ihren Auftritt trommeln und ihre Leute mobilisieren. In diesen 20 Jahren sind sehr viele Bands bei euch über die Bühnen gegangen. Welche haben früh bei „Bandsupporter“ gespielt und anschließend tatsächlich den Sprung auf größere Bühnen geschafft? Paula Carolina ist für mich ein herausragendes Beispiel. Wir hatten sie sehr früh als Headliner bei unserem Festival. Sie ist damals sogar recht spontan eingesprungen. Es war eine richtig tolle Show und mittlerweile ist sie sehr bekannt – das finde ich großartig. Auch Gwen Dolyn hatten wir früh als Headliner, ebenso „WellBad“. Fee war ganz am Anfang schon bei uns, genauso wie die „Beatshots“, Juli Kuhl und die „Suns Sons“. Insgesamt bin ich einfach stolz darauf, dass wir so vielen Bands Möglichkeiten gegeben haben, auf Bühnen zu kommen und sich zu präsentieren. Ich habe „Bandsupporter“ immer als eine Art „Vor-Label“ verstanden: Wir sind für diejenigen da, für die sich zunächst noch niemand interessiert. Vor zehn Jahren hast du gesagt, dass es für junge Bands mit eigenem Material schwer sei, überhaupt an Auftritte zu kommen. Ist es 2026 leichter geworden, Aufmerksamkeit zu bekommen – oder sogar schwieriger? Ich glaube, es ist noch schwieriger geworden, weil sich alles viel stärker zerteilt hat. Früher gab es vielleicht drei, vier Hoffnungsträger, die entsprechend gepusht wurden. Heute ist im Grunde jeder ein Hoffnungsträger. Dadurch ist eine riesige Masse an Acts und Genres entstanden. Selbst wenn du sehr gut in dem bist, was du tust, ist es unglaublich schwer, in irgendeiner Stadt einen Club vollzubekommen – es sei denn, du schaffst irgendwann den großen Durchbruch wie beispielsweise Paula Carolina. Hat sich auch verändert, was eine Nachwuchsband heute können muss? Musiker müssen inzwischen gleichzeitig Content Creator, Social-Media-Manager, Booker und Marketingexperten sein. Ja, und das ist tatsächlich schlimm. Früher hattest du meistens einen in der Band, der alles Mögliche organisiert hat, und ein oder zwei Leute, die sich hauptsächlich um die Songs gekümmert haben. Heute brauchst du eigentlich mindestens noch jemanden, der Social Media und Marketing macht, weil du sonst vollkommen untergehst. Wenn man es wirklich wissen will, muss man heute unglaublich viel investieren. Du musst irgendwann aus eigener Kraft einen Club mit 200 Leuten füllen können. Früher haben Plattenfirmen Nachwuchsbands häufiger als Support größerer Acts mitgenommen und ihnen so ermöglicht, sich ein Publikum zu erspielen. Umso wichtiger ist Netzwerken. Der klassische Gigtausch funktioniert immer noch: Du spielst einmal bei mir, ich einmal bei dir. Wenn man sich mit mehreren Bands gut vernetzt, kann man sich auf diese Weise sogar eine kleine Tour zusammenbauen und aus der eigenen Region herauskommen. Ihr habt den „Bandsupporter“-Contest bewusst anders aufgezogen als viele klassische Bandwettbewerbe. War das eine Reaktion auf Dinge im Musikgeschäft, die dich selbst geärgert haben? Absolut. „Pay-to-Play“ und Mindestticketabnahmen fand ich schon damals furchtbar – und solche Modelle gibt es tatsächlich bis heute. Da fährt eine fünfköpfige Band mit ihrem gesamten Equipment zu einem Wettbewerb, bezahlt eine Startgebühr, muss zusätzlich Tickets abnehmen und darf anschließend vielleicht 15 Minuten spielen. Das ist für mich absurd und hat mit Wertschätzung von Künstlern wenig zu tun. Wir selbst verstehen uns deshalb eigentlich gar nicht so sehr als Contest. Es ist eher eine Showcase-Reihe. Entscheidend ist der Netzwerkgedanke: Die Musiker sollen nach einem Abend mit neuen Kontakten und Telefonnummern nach Hause gehen. Und natürlich wollen wir Bands möglichst viele Auftrittsmöglichkeiten verschaffen. Vor Corona konnten wir beispielsweise eine Band wie „The Jukes“ auf diverse kleinere Festivals in der Region vermitteln. So kann sich eine Band ein Publikum erspielen und vielleicht den nächsten Schritt machen. Du hast das Clubsterben angesprochen. Gibt es im Rhein-Main-Neckar-Gebiet heute noch genügend Orte, an denen unbekannte Bands spielen können? Nein, absolut nicht. In Darmstadt sind wir noch vergleichsweise gut aufgestellt, aber auch hier könnte live viel mehr passieren. Es gibt durchaus Orte mit der nötigen Technik, an denen trotzdem kaum Konzerte stattfinden. Natürlich ist ein Livekonzert personalintensiver und teurer als ein DJ-Abend, aber ich würde mir wünschen, dass die vorhandenen Möglichkeiten stärker genutzt werden. Ein extremes Beispiel ist das JUZ in Langen. Dort hatte ich vor Corona das letzte Konzert veranstaltet und war jetzt auch der Erste, der wieder eines organisiert hat. Dazwischen lagen vier oder fünf Jahre ohne Konzerte. Umso mehr freue ich mich, dass wir in Darmstadt jetzt das „Pop-Netzwerk“ haben. Genau solche Strukturen sind wichtig, um die Szene zusammenzubringen. „Bandsupporter“ war immer stark von deinem persönlichen Engagement, aber auch von vielen Helfern und Ehrenamt geprägt. Gab es Momente, in denen du gedacht hast: Jetzt reicht’s, ich höre auf? Es ist tatsächlich die Liebe zur Musik, die mich weitermachen lässt. Natürlich denke ich trotzdem immer wieder übers Aufhören nach. Corona war ein ganz krasser Punkt, an dem ich wirklich überlegt habe, ob das jetzt das Ende ist. Bei uns ist damals fast alles weggebrochen, und anschließend quasi bei null wieder anzufangen und neue Energie zu finden, war nicht leicht. Mittlerweile bin ich selbst ein bisschen älter geworden und weiß, dass ich „Bandsupporter“ auf Dauer nicht so weitermachen kann wie bisher. Jetzt feiern wir erst einmal die 20 Jahre und dann schauen wir, ob es noch eine 25-Jahr-Feier gibt. Irgendwann würde ich das Schiff aber gerne in andere Hände geben, damit „Bandsupporter“ auch ohne mich eine Zukunft hat. Wenn wir uns 2036 zum 30-jährigen Bestehen wieder zum Interview treffen: Was würdest du dir wünschen, dass du mir dann über „Bandsupporter“ erzählen kannst? Ich würde mich freuen, wenn ich bis dahin eine tolle Crew gefunden hätte, die das Schiff mit mir weiter lenkt und „Bandsupporter“ wieder so breit aufgestellt wäre wie beispielsweise 2018: mit Konzertreihen für Nachwuchsbands, vielleicht wieder einem Festival und vor allem mit vielen Bands, die miteinander vernetzt sind. Am schönsten wäre es, wenn durch „Bandsupporter“ weiterhin Freundschaften entstehen und die Leute gerne darauf zurückblicken. Und ich selbst würde dann gerne einfach mal vorbeikommen, mir bei einem Getränk gute Musik anhören und nicht mehr den ganzen Abend herumspringen müssen, um irgendwelche Dinge zu regeln. Vor allem wünsche ich mir aber, dass Live-Musik wieder einen größeren Stellenwert in der Gesellschaft bekommt. Vielen Dank für das Gespräch.
FRIZZmag präsentiert
Bandsupporter-Shows
- 10.10.2026 – Theater im Pädagog, Darmstadt
- 24.10.2026 – Bessunger Knabenschule, Darmstadt
- 07.11.2026 – Ponyhof, Frankfurt
- 14.11.2026 – Caveau, Mainz
- 27.11.2026 – Bessunger Knabenschule, Darmstadt
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