Erst im Juli wurde der ehemalige FRIZZmag-Praktikant Laurin Emmerich für seine Diplomarbeit »numa« im Studiengang Industriedesign mit dem Merck-Preis 2025 ausgezeichnet. Das an ein modisches Accessoire erinnernde innovative Produkt, das Laurin speziell für Autist*innen mit starker Alexithymie entwickelt hat, überzeugte jedoch nicht nur die Merck-Jury, sondern auch die »Hessen Design Competition«, ein Nachwuchs-Wettbewerb für hessische Designtalente, den er Ende August gewann. Und auch FRIZZmag ist schwer begeistert, weshalb wir Laurin unbedingt auf einen Kaffeeklatsch treffen wollten. Wie kann »numa« Autist*innen helfen? Laurins Diplomarbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen im Autismus-Spektrum bei der Emotionsregulation unterstützt werden können – insbesondere dann, wenn Alexithymie den Zugang zu den eigenen Emotionen vollständig blockiert. Um dieses Phänomen besser verstehen zu können und seine Arbeit wissenschaftlich zu validieren, hat sich Laurin intensiv mit der Autismus-Forscherin Michaela Hartl-Sommerauer aus Wien ausgetauscht. Alexithymie bedeutet wörtlich »keine Worte für Gefühle« und beschreibt die Schwierigkeit, eigene Emotionen wahrzunehmen oder zu benennen – eine Symptomatik, die im Autismus-Spektrum häufig vorkommt. Die Betroffenen mit hohem Betreuungsbedarf und ohne Sprache haben zusätzlich oftmals kaum Zugang zu ihren Gefühlen – in ausgeprägten Fällen sogar gar keinen. Und, genau hier setzt »numa« an: Der modisch gestaltete Design-Hingucker ist ein tragbares Hilfsmittel, bestehend aus diskreten In-Ear-EEG-Kopfhörern (»NextSense Smartbuds«) und einem haptischen Emotionsübersetzer. EEG-Signale werden in Echtzeit ausgewertet, emotionale Zustände klassifiziert und körperlich erfahrbar gemacht. Kritische Überlastungen können so frühzeitig erkannt und präventiv abgefedert werden. Während der Übersetzer erlebnisanalog und niedrigschwellig gestaltet ist, erhalten begleitende sowie betreuende Personen über eine separate App Einblick in die Live- und Verlaufsdaten. Die cherry on top: »numa« wirkt nicht stigmatisierend. Die Kopfhörer sehen aus wie herkömmliche Modelle und können unauffällig getragen werden. So funktioniert »numa« Die technische Basis bilden die »NextSense Smartbuds« – kleine In-Ear-Kopfhörer, die über Elektroden im Ohr Gehirnwellen (EEG-Signale) messen können. Mithilfe von maschinellem Lernen werden diese Daten in grobe emotionale Zustände übersetzt, also etwa positiv, negativ oder angespannt. Die Ergebnisse zeigt »numa« über ein farbcodiertes System nach dem Ampelprinzip in Abstufungen an:
Grün steht für eine positive Stimmung
Gelb signalisiert erhöhte Anspannung
Rot warnt vor einem negativen Zustand
Dieses Feedback wird über eine LED-Anzeige des haptischen Emotionsübersetzers sichtbar, die sowohl offen getragen als auch in der Hosentasche verborgen bleiben kann. Nutzer können dabei zwischen Vibration, Ton oder Licht wählen, während Betreuer über eine separate App informiert werden und bei Bedarf beruhigende Maßnahmen einleiten können.
©Laurin Emmerich
Numa
Wie geht’s weiter mit »numa? »Die größte Herausforderung liegt bisher darin, aus dem Konzept einen funktionierenden Prototyp zu entwickeln, Feldtests durchzuführen und Partner*innen aus Forschung und Wissenschaft hinzuzuziehen. Auch Investoren werden nötig sein, da die Finanzierung nicht alleine zu stemmen ist«, verrät Laurin. Aber dafür müsste erst einmal ein Business-Netzwerk, ein großes Team im Hintergrund aufgebaut werden. Das bisherige Feedback ist jedoch sehr positiv. Nach seiner Präsentation bekam Laurin direkt Rückmeldung von einer Autistin, die erzählte, dass sie in Stressmomenten kaum Zugang zu ihren Gefühlen habe – und dass ein System wie »numa« in solchen Situationen für sie eine echte Hilfe wäre. Solches Feedback zeigt, dass die Idee nicht nur Jurys überzeugt, sondern auch unmittelbar bei Betroffenen ankommt. Während Laurin beruflich zunächst als Junior-Partner bei »daniels & erdwiens« einsteigt, verfolgt er parallel weiter das Ziel, »numa« zur Marktreife zu bringen. Eins aber ist klar: »numa« hat großes Potenzial, Menschen mit Autismus und starker Alexithymie ein Stück Selbstbestimmung zurückzugeben und gleichzeitig Betreuer:innen im Alltag zu entlasten. FRIZZmag drückt Laurin alle Daumen, dass »numa« schon bald auf dem Markt erhältlich sein wird!
