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Annette Hempel
Wie Sie vielleicht wissen, habe ich mir ja einen alten Traum erfüllt und fahre nun Motorrad. Wenn der Helm sitzt und die Maschine brummt, schiebt sich mit dem Anfahren der Alltag ein Stück weit zur Seite. Auf einmal bin ich ganz bei mir: konzentriert, fokussiert, frei. Für mich ist Motorradfahren Selbstfürsorge. Nicht, weil es besonders bequem wäre – im Gegenteil: man braucht Aufmerksamkeit, Präsenz und manchmal auch Mut. Aber genau das macht den Unterschied. Ich kann nicht gleichzeitig E-Mails beantworten, To-Do-Listen im Kopf jonglieren oder mich mit den Sorgen von gestern beschäftigen. Auf zwei Rädern zählt nur der Moment: die nächste Kurve, der Blick in die Landschaft, der Fahrtwind auf dem Körper. Ich bin ganz im Fokus. Selbstfürsorge hat viele Gesichter. Für die einen bedeutet sie ein Spaziergang mit dem Hund, für die anderen das Lesen eines guten Buches oder der Kaffee mit einer Freundin. Für mich bedeutet es: den Motor anwerfen, aufbrechen, loslassen. Dabei geht es weniger darum, etwas »Besonderes« zu tun, sondern darum, etwas zu tun, das mir wirklich gut tut. Selbstfürsorge heißt, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten – auch dann, wenn der Kalender voll ist oder andere Erwartungen und Wünsche an uns haben. Manchmal bedeutet das, Nein zu anderen Anliegen und gleichzeitig Ja zu sich selbst zu sagen.Vielleicht müssen es bei Ihnen keine zwei Räder sein. Vielleicht reicht ein kleiner Moment, in dem Sie alles andere zur Seite schieben und nur bei sich sind. Selbstfürsorge ist keine Pflichtaufgabe und auch kein Luxus, sondern die Voraussetzung dafür, dass wir für andere da sein können. Darum müssen wir hin und wieder nur ganz für uns selbst da sein dürfen. Und so drehe ich noch eine kleine Runde durch den Odenwald, atme tief durch und denke: Gut, dass ich heute für mich gesorgt habe. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in den kommenden Tagen Ihre ganz eigene kleine »Runde« drehen – egal ob mit Motorrad, Spaziergang oder einer Tasse Kaffee. Hauptsache, sie gehört nur Ihnen.
