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Annette Hempel
Liebe Leserinnen und Leser oder besser Mitreisende! Wo Neues startet, muss Altes weichen. Und manchmal ist das Alte, von dem wir uns trennen, das Neue einer anderen Person. So ging es mir mit meiner 35 Jahre alten Vespa, meiner Fuffie, die ich aus Platzgründen – und mit etwas Wehmut – verkauft habe. Die Vespa hat mich damals aus dem Elternhaus in mein Mainzer Studentenleben getragen. Sie war für mich nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Lebensgefühl: Freiheit, Selbständigkeit und ein Hauch italienischer Leichtigkeit auf zwei Rädern. Eine Begleiterin durchs Leben – länger als manche Menschen. Aber Vernunft ist das eine und das Herz das andere, es hinkte ein wenig hinterher und der Abschied fiel mir schwer. Doch dann stand da dieser Käufer. Mit leuchtenden Augen, einer herzlichen Art und einer Vision, die mich sofort berührt hat. Er wollte meine Fuffie mit nach Italien nehmen. Ich konnte es förmlich riechen: den Espresso an der Bar, den warmen Wind, das Salz in der Luft, den Duft von Pinien und Meer. Schnell wusste ich: Sie kommt an einen guten Ort zu einem Menschen, der sie zu schätzen weiß. Der Abschied wurde leichter, und leise Freude keimte auf. Manchmal beginnt das Neue mit einem freundlichen Menschen und einer alten Vespa, die Richtung Italien rollt. Vielleicht passt diese Stimmung genau in den Dezember: Diese Ambivalenz zwischen Loslassen und Vorfreude. Zwischen dem, was war, und dem, was entstehen darf. Ein Jahr verabschiedet sich, ein neues steht bereit. Weihnachten bringt Licht und Sehnsucht zugleich, Silvester Wehmut und Hoffnung in einem Atemzug. Und vielleicht ist genau das das Schöne, dass wir beides dürfen: Trauern und uns freuen. Abschied nehmen und neugierig nach vorne schauen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie Raum für beides finden – für das leise Loslassen und die Vorfreude auf das, was kommt. Herzlichst Ihre Annette Hempel
