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Annette Hempel
Meine Gedanken kreisen um die Jahresanfangskolumnen vergangener Jahre: Da war die Orchidee einer Freundin, die erst Knospen trieb, als die Umgebung stimmte. Dann die Pomodoro-Technik, mit der große Aufgaben in kleine, bekömmliche Teile zerfallen. Und der italienische Zitronenhain, der mir zeigte, wie sehr Gedanken wirken. Vor einem Jahr schrieb ich darüber, wie man ein Ziel so formuliert, dass es wahrscheinlicher erreicht werden kann. Und dieses Jahr? Kein Zitronenhain, keine Methode. Eher ein leiser Gedanke, der mich seit Wochen begleitet: der Wert kleiner Bewegungen. Er begann in einer Bahn, die wegen eines Defekts nur im Schneckentempo fuhr. Zentimeterweise schob sie sich voran. Erst war ich genervt, dann sah ich die vorbeiziehenden Bäume — langsam genug, um jedes Astende zu erkennen. Und ich konnte verstehen: Auch wenn wir kaum Meter zurücklegten, wir kamen voran. Langsam und stetig. Im Rückblick wurde mir klar, wie oft das im letzten Jahr auch für mich galt: Nicht die großen Sprünge trugen mich, sondern die kleinen Entscheidungen. Eine Pause. Ein klärendes Gespräch. Ein „Nein“, das Beherztheit brauchte. Ein „Ja“, das noch mehr Mut brauchte. Kleine Bewegungen, die erst später als ein Weg sichtbar wurden. Vielleicht ist das ein Anfangsgedanke für dieses Jahr: Wir müssen nicht mit einem großen Plan starten. Es genügt, eine Richtung zu spüren, um dann die kleinstmögliche Bewegung dorthin zu machen. Weitergehen. Nicht viel, aber genug. Ich lade Sie ein, zum Jahresbeginn nicht den großen Wurf zu suchen, sondern den Schritt, der sich gut anfühlt. Vielleicht ein geöffnetes Fenster. Ein Atemzug. Ein Anruf. Eine Stunde ohne Ablenkung. Oder nur der Gedanke: Vielleicht könnte es anders werden — und ich darf ausprobieren, wie. Die großen Veränderungen des Jahres 2026 beginnen heute vielleicht mit kleinen Schritten. Auf ein neues Jahr voller kleiner, aber wirksamer Bewegungen.
