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Annette Hempel
Wann haben Sie zuletzt gemerkt, dass Sie gegen etwas ankämpfen, das sich einfach nicht bewegen will und lässt? Dieses Gefühl kennen die meisten – und die wenigsten mögen es. Im Coaching sitze ich manchmal Menschen gegenüber, die mit aller Kraft gegen eine Situation drücken: Gegen das Tempo anderer oder gegen eine Entscheidung, die längst gefallen ist, sowie gegen Umstände, die sich nicht ändern lassen. Die Energie des sich dagegen Lehnens ist enorm, jedoch geht sie vollständig in den Widerstand und nicht in das, was als nächstes möglich wäre. Widerstand ist menschlich. Er zeigt uns, dass uns etwas wichtig ist und er kostet viel Kraft – oft mehr, als die Situation selbst abverlangt. Und manchmal frage ich mich: Wie viel Widerstand erzeugen wir dabei selbst? Durch unsere eigene Erwartung, dass die Dinge so laufen sollten wie geplant oder durch den Wunsch, die Kontrolle zu behalten, durch die innerste Überzeugung, dass Widerstand bedeutet, dass etwas falsch läuft – durch all das erzeugen wir Widerstand im Innen und Außen. Wer segelt, weiß: Gegen den Wind kommt man nicht an. Aber wer den Kurs klug anpasst und seine Segel entsprechend setzt, nutzt den Wind – und kommt ans Ziel. Was im ersten Moment wie ein Hindernis wirkt, wird zur treibenden Kraft. Die Fähigkeit, sich zu bewegen, zu reflektieren, sich neu auszurichten und gleichzeitig das Ziel im Auge zu behalten scheint mir eine kluge Form von Stärke. Was dabei hilft, ist Vertrauen und die Haltung, dass ein Prozess seine eigene Logik hat. Dass nicht alles, was sich widersetzt, auch falsch ist. Manchmal führen Reibung und Auseinandersetzungen zu einem besseren Ergebnis: Eine andere Person geht nicht mit. Wir müssen erneut zuhören, reflektieren und gemeinsam neu nachdenken. Im besten Fall führt der genommene Umweg mit dieser weiteren Reflexionsschleife zu einer stimmigeren Lösung für alle Beteiligten. Ich wünsche Ihnen, dass Sie spüren dürfen, dass Gegenwind, Reibung und Bewegung etwas Konstruktives sein können.
