©Mickey Bohmacker
Fotografien im Stadtarchiv Frankfurt
Das transatlantische Bündnis mit den USA bröckelt schon länger. Seit der sukzessiven Auflösung der bestehenden Ordnung durch den US-Präsidenten bestimmen wirtschaftliche und geopolitische Spannungen das Weltgeschehen. Das war nicht immer so. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Deutschland in Besatzungszonen aufgeteilt. Eine dieser Zonenunterstand der amerikanischen Militärregierung. Wichtigster Auftrag war die »Umerziehung« der deutschen Bevölkerung, um verbindliche Regeln als Grundlage eines demokratischen Staatsaufbaus zu vermitteln. Bei einem Blick über den großen Teich derzeit schwer vorstellbar für ein Land, dessen demokratische Werte nach und nach untergraben werden und das bisher fast ohne Widerstände in Richtung Diktatur mutiert. In der unmittelbaren Nachkriegszeit war die Versorgungslage dramatisch. CARE-Pakete und großzügige Hilfsprogramme waren der privaten Spendenbereitschaft der Amerikaner zu verdanken. Frankfurt gehörte zur amerikanischen Besatzungszone. Der Fotograf Mickey Bohnacker kam als junger Mann kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in einem deutsch-amerikanischen Jugendclub in Frankfurt mit den Amerikanern in Kontakt und begann, für Zeitungen der US-Armee zu fotografieren. „So entstanden Motive, die aus nächster Nähe den Einfluss Amerikas auf Politik, Alltag und Kultur der Nach-kriegs- und Wiederaufbaujahre zeigen“, sagt Dr. Mirjam Sprau, Leiterin des Instituts, und beschreibt die Fotosammlung als eine der spannendsten Bestände des Archivs. „Frankfurt war Ausgangspunkt der Amerikanisierung Westdeutschlands sowie der demokratischen Entwicklung in der Bundesrepublik“ ergänzt Dr. Michael Fleiter, Kurator der Ausstellung. Im Mittelpunkt der Präsentation stehen mehr als 100 eindrucksvolle Fotografien von den unmittelbaren Nachkriegsjahren und einem demokratischen Neuanfang sowie einer aufkeimenden amerikanisch-deutschen Freundschaft. „In Bohnackers Motiven spiegelt sich Faszination für den American Way of Life“, so Tobias Picard, ebenfalls Kurator der Ausstellung. Bis 7. Juni, Institut für Stadtgeschichte im Karmeliterkloster, Münzgasse 9, 60311 Frankfurt WEBSEITE
