Ob im Affekt oder geplant: Die Darmstädter Krimitage sind immer einen Besuch wert und killen jegliche Art von Langeweile. Die Tatwaffe: Verdächtig spannende Krimis. Der Tatort: Die Bessunger Knabenschule. Der Tatzeitraum: zwischen 8. und 13. März, ab 20 Uhr. Die Täter:innen: Autor:innen, die im Duo nacheinander Hochspannung erzeugen. Das Motiv: Crime-Fans vom Hocker hauen. Bereits zum elften Mal schlägt die beliebte Literaturveranstaltung zu und trifft jedes Jahr mitten ins Herz. Für ordentlich Adrenalinmomente sorgt diesmal, passend zum Internationalen Weltfrauentag, das Thema körperliche und sexualisierte Gewalt an Frauen. Den Auftakt machen am Sonntag, den 8. März, Ana Wetherall-Grujic mit »Blutsschwestern« und Susanne Kaiser mit »Riot Girl. Ein Fall für Obalski«. Zwei Romane, die Frauen in ungewöhnlichen Rollen ins Rampenlicht rücken. So handelt das 2025 mit dem GLAUSER-Krimipreis ausgezeichnete Buch »Blutsschwestern« von der misshandelten Ljiljana und deren Schwester Sanja, die auf der Flucht vor einer Mafiafehde sind und auf ihrem Roadtrip Gewalterfahrungen machen und zudem damit zu kämpfen haben, sich nicht in moralischen Abgründen zu verlieren. »Riot Girl. Ein Fall für Obalski« erzählt die Geschichte von einer Gruppe junger Frauen, die in Deutschland mit provozierenden und gefährlichen Protestaktionen Aufsehen erregt. Um den Frauen das Handwerk zu legen, wird LKA-Ermittlerin Obalski eingeschaltet, die sich undercover ins Münchner Jugendamt einschleicht. Ihr Auftrag: Sie soll heimlich Informationen über die Bewegung, ihre Methoden und Ziele beschaffen. So findet sie heraus, dass die Proteste wahrscheinlich Folgen einer viel schlimmeren Serie von Gewalttaten sind. Auch in diesem Fall werden moralische Grenzen überschritten. Beide Lesungen bilden eine Überleitung zum Montagabend, der das Publikum nicht nur über die Landesgrenzen hinaus entführt, sondern auch die Grenzen im zwischenmenschlichen Zusammenleben markiert. Der dritte Abend spielt mit den verschwimmenden Grenzen von Eigen- und Fremdwahrnehmung und der Erkenntnis, dass vielleicht nicht alles so war, wie man es selbst in Erinnerung hat. Und auch der Mittwoch gestaltet sich sa(r)genhaft spannend: So rücken das Beerdigungsgeschäft und ein ermittelnder Trauerredner in den thematischen Fokus. Am Donnerstag geht es kulinarisch zu. Die Settings: Hamburgs exotische Küchen, die für außergewöhnliche Geschmackserlebnisse sorgen. Der Abschlussfreitag ist gekrönt von zwei lokalen Autoren: So führt Michael Kibler neben Literatur-Bloger Sascha Kreim als Moderator durch den Abend und stellt seinen neuesten Darmstadt-Krimi »Bunkermädchen« vor. Ivar Leon Menger liest aus seinem aktuellen Thriller »Der Tower«. Beide Werke öffnen an dem Abend die Türen in eine unheimliche Welt, die sich um große und gefährliche Bauten dreht.
©Minitta Kandlbauer
Ana Grujić
Wer vorab schon mal Blut lecken möchte – FRIZZmag hat die Newcomer-Schriftstellerin Ana Wetherall-Grujic ins Verhör genommen: FRIZZmag: Du machst als angepriesene Newcomerin den Auftakt der Darmstädter Krimitage 2026. Wann hast Du Dein Talent zum Schreiben entdeckt? Ana Wetherall-Grujic: Meine Leidenschaft fürs Schreiben ist in der Schulzeit entstanden. Ich habe schon damals gerne viel gelesen und fantasievolle Geschichten im Deutschunterricht geschrieben. Ein besonderer Schlüsselmoment war, als mein Lehrer zu mir sagte: »Ana, Du bist so eine richtige Geschichtenerzählerin«. Das motiviert mich bis heute. Und ich freue mich total auf Darmstadt und bin sehr dankbar für die Einladung zu den Krimitagen. Was war das für ein Gefühl, als Du 2025 den GLAUSER-Krimipreis verliehen bekommen hast? Unglaublich. Ich denke heute noch: Das ist krass. Es ist surreal und gleichzeitig ein großartiges Gefühl. Es war für mich so ein Dream-comes-true-Erlebnis, bei dieser Preisverleihung nominiert zu sein, weil da einfach so viele tolle bekannte Krimi-Autor:innen vertreten sind, die ein Panoptikum an Zugängen und Meinungen haben zu Literatur. Das ist eine ganz eigene Welt. Und wenn ich bei meinen Lesungen oder in Gesprächen meinem Publikum eine Message mitgeben will, dann eben die, dass man kein Ernest Hemingway sein muss, der an seiner Schreibmaschine mit einem Glas Whiskey sitzt. Du musst kein Genie sein, du kannst eine normale Frau oder Mensch sein und trotzdem eine gute Geschichte erzählen. Und, was treibt Dich beim Geschichtenerzählen an? Ich hatte ganz lange das Gefühl, dass was einen antreibt, muss so eine ganz große Liebe oder Begeisterung sein. Bis ich dann merkte, bei mir ist es eher umgekehrt, es ist eine Art Wut, die mich zum Schreiben bringt. Das hat mich im Journalismus stark angetrieben: Ich habe all meine Frustration über gesellschaftlich-feministische Themen wie alleinerziehende Frauen, sexuelle Übergriffe, Chancengleichheit, so diesen ganzen Themenkomplex geschrieben. Und dann war das eben auch das, was mich bei meinem ersten Buch »Das Baby ist nicht das verdammte Problem« angetrieben hat. – Das Scheintrügerische der Gesellschaft nach außen. Dass das Mutterdasein immer so eine Bilderbuchgeschichte abbilden muss, aber die Realität ganz anders aussieht. Und auch bei »Blutsschwestern« hat mich die soziale Realität inspiriert. Die Geschichte ist insofern fiktiv, dass ich die Handlung frei erfunden habe, aber die Motive leider sehr real sind. Also diese Gewalt von Männern gegen Frauen in Beziehungen, teilweise tödliche Gewalt. Und diese Realität war so ein bisschen der Ausgangspunkt, den Roman zu schreiben.
8. März: Ana Wetherall-Grujic »Blutsschwestern« Susanne Kaiser »Riot Girl. Ein Fall für Obalski« 9. März: Mark Fahnert »Die Fährte des Wolfs« Anna Schneider »Grenzfall. Ihr Grab in den Fluten« 10. März: Petra Johann »Wem Du traust« Iver Niklas Schwarz »Kummersee« 11. März: Andreas Izquierdo »Über die Toten nur Gutes« Dietmar Bittrich »Grab tiefer!« 12. März: Henrik Siebold »Inspektor Takeda und der tödliche Ruhm« Timo Blunck »Ein kleines Lied über das Sterben« 13. März: Michael Kibler »Bunkermädchen« Ivar Leon Menger »Der Tower« Bessunger Knabenschule, Ludwigshöhstraße 42, Darmstadt Beginn aller Lesungen: 20 Uhr WEBSEITE
