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Georg-Friedrich Wolf
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Für seine aktuelle Werkserie hat sich Georg-Friedrich Wolf von QR- und Strichcodes inspirieren lassen. Diese neuzeitlichen, aus flachen, computerlesbaren Pixelkonstellationen und Balkenreihen bestehenden Informationsschlüssel hat der Darmstädter Stahlbildhauer in die dritte Dimension übersetzt: Stelen, Labyrinthe oder – bisweilen scheinbar einstürzende – Türme verbinden die schöne Form mit gesellschaftsrelevantem Inhalt. „Poesie der Daten“ nennt der 1962 geborene und längst auch überregional etablierte Künstler diese abstrakten Objekte, mit denen er eine Brücke schlägt zwischen dem ätherischen, gewichtslosen Wesen der aus Nullen und Einsen bestehenden digitalen Welt und der Wucht, der Schwere und der Körperlichkeit des Stahls. Hinter einer nachgerade dekorativen Ästhetik verbergen sich Fragen nach dem richtigen Umgang mit Information, Geheimnissen und verlorenem Wissen. Zusammen mit weiteren Werkgruppen stellt Wolf seine jüngsten Arbeiten von 24. bis 31. August erstmals umfangreich aus. In der Halle 108 auf dem historischen Industriegelände an der Darmstädter Landwehrstraße 75-79 setzt er die Tradition fort, in unregelmäßigen Abständen das eigene Atelier zum Präsentationsort zu machen. „Heros im eisernen Gewand. Von Troja bis Kabul“ ist die Schau diesmal überschrieben. Die Anklänge an die antike Mythologie kommen nicht von ungefähr. Auch Wolfs Kunstwerke tragen häufig die Namen sagenhafter Götter und anderer Helden, heißen „Prometheus“, „Ikarus“ oder „Horus“. Damit verweisen sie einerseits in eine mehrere Jahrtausende zurückliegende Vergangenheit. Dass sie aus geborstenen Fliegerbomben, Industrieschrott oder Rüstungsfragmenten bestehen, katapultiert sie andererseits in die unmittelbare Gegenwart. Auf diese Weise erinnern sie daran, dass Ereignisse, nur weil sie lange zurückliegen, nicht an Aktualität eingebüßt haben müssen. Sie führen vielmehr vor Augen, dass vermeintliche Gegensätze wie Leben und Tod, Gut und Böse, Liebe und Hass in Wahrheit aus demselben Stoff gemacht und zeitlos sind. Diese Polarität in plastischer Gestalt aufzulösen und damit zugleich ein politisches Statement zu formulieren, gehört zu den Leitmotiven in Wolfs Schaffen und wird nicht zuletzt durch das künstlerische Material vermittelt: Stahl trägt die Menschheit, bringt aber auch Tod. Die Ausstellung wird am Sonntag, 24 August, um 11 Uhr eröffnet. Einführende Worte spricht die Kunsthistorikerin Katinka Fischer, eine musikalische Performance kommt von Philipp Gutbrod am Schlagzeug.
