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Syrien
Über 50 Jahre Diktatur. Vierzehn Jahre Krieg, Zerstörung, Flucht und Angst. Beim Weitsicht-Festival erzählt Lutz Jäkel von seiner emotionalsten Reise. Seine aktuelle Fotoreportage führt zurück nach Syrien – zu Freunden und in ein Land im Umbruch. Der Fotojournalist, Autor und Islamwissenschaftler Lutz Jäkel kennt Syrien seit mehr als dreißig Jahren. Er hat in Damaskus gelebt, war dort Reiseleiter, hat das Land und viele Menschen aus Syrien in sein Herz geschlossen. Vierzehn Jahre lang hatte er wegen des Krieges keinen Kontakt zu seinen Freunden.
Dann kam der Dezember 2024: Die von der Miliz HTS angeführten Rebellen stürzten das Assad-Regime, Diktator Baschar al-Assad floh nach Russland. „Ich hätte nie damit gerechnet, dass die Regierung nach 50 Jahren Diktatur und fast vierzehn Jahren Krieg tatsächlich noch gestürzt wird. Der Umbruch ging von den Syrern selbst aus – darauf sind die Menschen sehr stolz“, sagt Jäkel. Kurz darauf erhält er eine WhatsApp-Nachricht von seinem alten Freund Amer, der fragt, wie es ihm geht. Wenige Tage später, noch im Dezember, macht sich Lutz Jäkel auf den Weg zurück in das geschundene Land. Wie wird er Syrien, wie wird er seine Freunde vorfinden? Das Wiedersehen mit Amer, der noch 2024 vom Geheimdienst verhaftet und eingekerkert wurde, gehört zu den bewegendsten Momenten des Live-Vortrags.
Jäkel trifft alte Bekannte und langjährige Weggefährten wieder. „Noch nie habe ich die Menschen in Syrien so befreit und euphorisch erlebt“, erzählt der Fotograf. Große Teile des Landes liegen in Trümmern, zugleich kehrt in manchen Regionen das normale Leben zurück. Das Zentrum von Damaskus blieb weitgehend von der Zerstörung verschont. Im berühmten Café Noufara an der Umayyaden-Moschee tritt plötzlich Kellner Ahmad an seinen Tisch und sagt: „Hallo Lutz, wie geht es dir?“ – als sei nichts gewesen. Neben Amer begegnet Jäkel auch der Menschenrechtsanwältin Nahla Osman, die erstmals seit langer Zeit in das Land ihrer Eltern zurückkehrt ist.
Doch es gibt auch erschütternde Geschichten. Millionen Menschen wurden vertrieben, Hunderttausende verloren ihr Leben. Zubaida zeigt Jäkel den Ort, an dem ihr Mann 2012 bei einem Massaker ermordet wurde. Heute hofft sie auf Gerechtigkeit. Im berüchtigten Foltergefängnis Sednaya hält Abdulhamid ein Foto seines seit Jahren verschwundenen Sohnes in die Kamera. Jäkel trifft zudem einen HTS-Kämpfer, der ihm von Kämpfen gegen den IS erzählt. Die Rückkehr ist eine Spurensuche in einem zerrissenen Land zwischen Trümmern, Aufbruch und neuer Freiheit. In „Das neue Syrien“ erzählt Jäkel von Menschen, die geblieben oder zurückgekehrt sind, von Verlust, Hoffnung und dem Mut, weiterzumachen. „Ich glaube an die Menschen dort, auch wenn die Situation noch immer fragil ist“, sagt Jäkel. Die Reportage wurde bereits mehrfach ausgezeichnet.
31. Oktober, 20 Uhr, darmstadtium Darmstadt WEBSEITE
