Am 1. Juli ist es endlich soweit: Multi-Laughing-Talent Peter Kunz schlägt ein neues Kapitel in seinem Leben auf. Sein erstes Buch erscheint. In »Gude, Ihr Labbe! Humor ist Chefsache« erzählt der Offenbacher Stand-Up-Comedian und Unternehmer seine sagenhafte Lebensgeschichte.
Wenn Peter Kunz über Darmstadt spricht, dann klingt das ein bisschen so, als hätte jemand einen Comedy-Filter über die Stadt gelegt. Der Luisenplatz wird zur Gag-Spielwiese, Offenbach zur sicheren Pointe und die Haupttribüne am Böllenfalltor zu seinem persönlichen Glücksort. Dort, sagt er, lache er am liebsten – natürlich am besten über einen deutlichen Sieg der Lilien. Und wenn er gerade nicht am Bölle sitzt oder auf Hessens Bühnen unterwegs ist, dann findet man ihn vielleicht im Kikeriki-Theater, vor einem 80er-Jahre-Synthesizer oder mitten in einem spontanen Comedy-Moment an der Supermarktkasse. Denn Peter verwandelt jeden Ort zu seiner Bühne.
Der Darmstädter Unternehmer, Autor, frühere Lilien-Stadionmoderator und heutige Stand-Up-Comedian gehört zu den Menschen, die mühelos und enthusiastisch in mehrere Rollen schlüpfen können – als Vorstand eines Immobilienunternehmens, als Comedian mit ausverkauften Shows, als gewitzter Buch-Autor und als Social-Media-Ikone, dessen Fanbase täglich wächst. Und trotzdem wirkt er als Allround-Talent im Gespräch nicht wie jemand, der sich selbst zu ernst nimmt, sondern eher wie ein Kumpel, der gelernt hat, dass Humor manchmal der beste Weg ist, um mit dem Wahnsinn des Alltags klarzukommen.
Seine ersten Erfahrungen am Mikrofon machte er bereits Mitte der Neunziger bei Radio Darmstadt. Zeitgleich entstand auch sein erster Kultsong: »Darmstadt, wir sind die Nummer 1«. Ein humorvoll-satirischer Rap, den er unter dem Künstlernamen »Der Ingenieur« auf Unipartys performte – inklusive illegal zusammengeschnittenem Playback und maximaler Selbstüberschätzung. »Ich war der Star auf jeder Uniparty und hab’ mich mit dem Song auf jede Box gestellt«, erinnert sich Peter nostalgisch. »Dass der Song heute tatsächlich bei Spotify gelandet ist, hätte damals vermutlich niemand gedacht«.
Überhaupt zieht sich das Mikrofon wie ein roter Faden durch sein Leben. Ob als Stadionsprecher am Böllenfalltor, als Produzent elektronischer Musik unter dem Namen »Morris Jones«, als Moderator von Wahlkampfveranstaltungen mit Gerhard Schröder oder heute eben als Stand-Up-Comedian – Peter Kunz scheint sich immer wieder neu zu erfinden. »Die berufliche Karriere stand bei mir immer im Fokus. Die kreative Spielwiese wurde hingegen immer mehr zur Lebenseinstellung: Ausprobieren, machen und schauen, wie weit man kommt«.
Dabei wirkt sein Lebenslauf fast wie eine Hessen-Version von Forrest Gump. Feuerwehr, DRK, Radio, Bölle-Stadion, Musikproduktion, Hochschule, Immobilienwirtschaft, Comedy – Peter Kunz war irgendwie überall schon mal unterwegs und entdeckt immer wieder neue Seiten an sich. »Ich hab' einfach extrem viel Energie. Ich kann auch nichts dafür«. Offenbar ist genau das sein Erfolgsrezept. Nicht alles zerdenken, sondern einfach machen.
Dass er heute zu den erfolgreichen Comedians in ganz Deutschland zählt, kam auch für ihn überraschend. Seine ersten Auftritte beschreibt er selbst als »wirklich hart – vor allem fürs Publikum«. Seine Premiere fand bei einem Open-Mic-Abend in einem Frankfurter Hotel statt. Kunz dachte damals noch, schlechte Reaktionen lägen am fehlenden Humor des Publikums. Heute weiß er: Wenn keiner lacht, liegt es immer am Comedian.
Comedy sei ohnehin das härteste Handwerk überhaupt. Während mittelmäßige Bands zumindest höflichen Applaus bekämen, herrsche bei schlechten Stand-Up-Auftritten einfach Stille. Und genau diese Stille müsse man lernen auszuhalten. »Du musst wirklich Minute für Minute die Herzen deines Publikum neu gewinnen«, sagt Kunz. Genau dieses Handwerk hat er sich über Jahre autodidaktisch beigebracht. Humor funktioniere für ihn vor allem durch Überzeichnung, Doppeldeutigkeiten und das gemeinsame Wiedererkennen von Alltagssituationen. Deshalb funktionieren seine Hessen-Jokes auch so gut. Ob Offenbach-Witze, Odenwälder Kochkäse-Klischees oder lokale Seitenhiebe gegen Weiterstadt, Griesheim oder Pfungstadt – das Publikum spiegelt sich in all den Themen wider und fühlt sich zugehörig.
Besonders beliebt sind deshalb seine Live-Shows, die weniger klassische Comedy-Abende als vielmehr kollektive Hessen-Therapien sind. Bevor das eigentliche Programm startet, spricht Kunz oft erst einmal zwanzig Minuten mit dem Publikum. »Da wird erstmal jeder Nachbarort durchbeleidigt«, schwärmt er grinsend. Genau daraus entstehe dieses besondere Wir-Gefühl. Niemand werde bloßgestellt, stattdessen gehe es um gemeinsames Lachen über die eigene Heimat.
Dabei besitzt Peter Kunz trotz aller Pointen auch eine sehr reflektierte Seite. Comedy sei für ihn nicht nur Unterhaltung, sondern ein Werkzeug fürs Leben – und auch fürs Business. Gerade als Unternehmer dürfe man den Humor nicht verlieren. »Lachen entspannt. Es baut Stress ab«, betont er. »Wenn Menschen gemeinsam lachen können, arbeiten sie auch viel lieber zusammen«. Natürlich müsse man dabei seriös bleiben und könne nicht mit roter Clownsnase ins Bankgespräch gehen. Aber eine gewisse Nahbarkeit mache vieles leichter.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum sein Programm so gut funktioniert: Peter Kunz spielt keine Kunstfigur. Seine Bühnenfigur liegt erstaunlich nah an seiner Privatperson. Wobei seine Familie da manchmal anderer Meinung ist. Wenn Kunz auf Partys plötzlich beginnt, neues Material zu testen oder im Supermarkt spontan Videos dreht, wird er von seiner Frau gelegentlich wieder eingefangen. »Dann kriege ich Zeichen, dass ich jetzt mal aufhören soll«, lacht Peter. Zuhause sei er eben nicht der große Künstler, sondern eher der Typ, der Getränke holen soll.
Neben Comedy und Unternehmertum sammelt der Familienmensch übrigens leidenschaftlich 80er-Jahre-Synthesizer und schaut Blaulichtfahrtenvideos auf YouTube. Ein Algorithmus, der laut eigener Aussage vermutlich sowohl Psychologen als auch das BKA alarmieren würde. Zufrieden ist er aber am meisten mit einem Glas Rotwein, einer Frank-Sinatra-Playlist und einem Zweitligaspiel ohne Ton.
Am 1. Juli erscheint nun sein erstes Buch »Gude, Ihr Labbe! Humor ist Chefsache« – eine Mischung aus hessischen Geschichten, Erinnerungen, Blicken hinter die Comedy-Kulissen und jeder Menge Selbstironie. Statt klassischer Lesungen plant er unterhaltsame Bühnenabende mit Moderator:innen, Gesprächen und spontanen Eskalationen. Die Premiere findet passenderweise am Bölle statt. Dort also, wo Peter Kunz am liebsten lacht.
Wahrscheinlich ist das seine größte Stärke: In einer Zeit, in der viele Menschen vor allem Probleme sehen, erinnert der Comedian daran, dass man auch einfach mal gemeinsam lachen darf. Über Darmstadt. Über Hessen. Über das Leben. Und vor allem über sich selbst.
Premiere-Lesung »Gude, ihr Labbe!«: Fr., 26.6., 19 Uhr, Merck-Stadion am Böllenfalltor, Darmstadt
FRIZZ verlost 3 Bücher
Weitere Termine unter: WEBSEITE
Fr. 6.11., 20 Uhr, mit seinem Comedy Programm ,,HESSkalation“ in der Centralstation Darmstadt
