©Benjamin Metz
Ralf_Scheffler
Nur wenige Menschen haben die Frankfurter Konzert- und Clubszene über Jahrzehnte hinweg so geprägt wie Ralf Scheffler. Fast 50 Jahre lang war er das Gesicht der „Batschkapp“ – und machte den Club zu einer der wichtigsten Live-Adressen Deutschlands. Nun ist Scheffler im Alter von 77 Jahren gestorben. Ein Rückblick auf einen Mann, der Generationen von Musikfans, Künstlern und Konzertgängern begleitet hat.
Es gibt Menschen, die prägen eine Stadt, ohne sich jemals in den Vordergrund zu drängen. Ralf Scheffler war so jemand. Einer, der lieber Konzerte möglich machte, als große Reden zu halten. Einer, der Räume schuf – für Musik, Begegnungen und gemeinsame Erlebnisse. Und einer, dessen Name für Generationen von Musikfans untrennbar mit einem Ort verbunden bleiben wird: der „Batschkapp“.
Die Nachricht von seinem Tod hat in Frankfurt und weit darüber hinaus große Betroffenheit ausgelöst. Scheffler starb Anfang Mai im Alter von 77 Jahren – ausgerechnet in dem Jahr, in dem die „Batschkapp“ ihr großes Jubiläum feiern wollte. Fast fünf Jahrzehnte lang hatte er den legendären Club geprägt wie kaum ein anderer. Für viele war er nicht einfach Betreiber oder Geschäftsführer. Er war die Seele dieses Ladens. Auch für die „FRIZZ“-Redaktion und mich persönlich war die „Batschkapp“ über viele Jahre hinweg stets mehr als nur ein Konzertort. Wer in Rhein-Main mit Konzerten, Bands oder Subkultur aufgewachsen ist, kam an diesem Laden nie vorbei. Und eigentlich auch nicht an Ralf Scheffler. Die Geschichte der „Batschkapp“ begann Mitte der 70er-Jahre in Frankfurt-Eschersheim. Entstanden aus dem Geist einer alternativen Gegenkultur, entwickelte sich der Club schnell zu einem der wichtigsten Live-Orte Deutschlands. Während andernorts Trends kamen und gingen, blieb die „Kapp“ immer ein Ort mit eigenem Charakter und einer besonderen Nähe zur Szene. Vielleicht war genau das Schefflers größte Stärke: Er hatte ein Gespür dafür, wann Musik mehr ist als Unterhaltung. Unter seiner Regie spielten dort Künstlerinnen und Künstler, lange bevor sie Arenen füllten. „Nirvana“, „R.E.M.“, „Die Toten Hosen“, Lenny Kravitz oder Björk – die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Doch Ralf Scheffler dachte nie in Kategorien wie „groß“ oder „klein“. Ihm ging es um Energie, um Glaubwürdigkeit und um die besondere Magie eines Konzertabends. Wer in der „Batschkapp“ auftrat, wusste: Hier zählt die Musik. Nicht das Business außen herum.
Dabei war Scheffler nie der klassische Szene-Unternehmer. Eher ein Ermöglicher. Einer, der Künstlern vertraute, jungen Bands Chancen gab und auch unbequemen Entwicklungen Raum ließ. Die „Batschkapp“ war deshalb immer mehr als ein Club. Sie war Treffpunkt, kultureller Schutzraum, manchmal auch Reibungsfläche. Genau das machte sie so wichtig. Legendär waren nicht nur die Konzerte selbst, sondern auch die Geschichten drumherum. Die langen Nächte, die improvisierten Momente, die Nähe zwischen Publikum und Bühne. Viele Musiker erzählten später, dass Auftritte in der „Batschkapp“ zu den intensivsten ihrer Karriere gehörten. Vielleicht, weil der Laden nie geschniegelt oder perfekt sein wollte. Sondern echt. Scheffler selbst blieb dabei oft im Hintergrund. Wer ihn traf, erlebte keinen lauten Selbstdarsteller, sondern einen klaren, erfahrenen und in der Szene hoch respektierten Menschen. Wenn er etwas sagte, hatte das Gewicht. Vielleicht auch, weil er nie unnötig viele Worte machte. Dabei war Musik längst nicht seine einzige Leidenschaft. Ralf Scheffler liebte das Fallschirmspringen – ein Bild, das im Rückblick fast symbolisch wirkt. Der kontrollierte Sprung ins Ungewisse. Vertrauen in Erfahrung, Instinkt und den richtigen Moment. Eigenschaften, die ihn wohl auch als Kulturmacher ausgezeichnet haben. Denn eine Institution wie die „Batschkapp“ fast 50 Jahre lang relevant zu halten, gelingt nicht mit Routine allein. Dafür braucht es Mut und die Bereitschaft, immer wieder neu abzuspringen. Dass die „Batschkapp“ heute weit über Frankfurt hinaus Kultstatus besitzt, ist vor allem sein Verdienst. Selbst der Umzug von Eschersheim nach Seckbach – für viele Fans damals emotional schwierig – wurde letztlich zu einem Neustart, den Scheffler mit erstaunlicher Ruhe und Weitsicht meisterte. Andere hätten versucht, Nostalgie zu konservieren. Er verstand, dass Kulturorte nur überleben, wenn sie sich bewegen.
Mit seinem Tod verliert die Rhein-Main-Region deshalb weit mehr als einen Clubbetreiber. Sie verliert einen der wichtigsten kulturellen Möglichmacher der vergangenen Jahrzehnte. Einen Menschen, der Generationen von Musikfans begleitet hat und dessen Arbeit weit über Frankfurt hinaus Wirkung entfaltet hat. Was bleibt, sind Erinnerungen. An verschwitzte Konzertnächte. An Entdeckungen. An erste Lieblingsbands. An Diskussionen im legendären „Elfer“ bis tief in den Morgen. Und an dieses besondere Gefühl, dass in der Batschkapp jederzeit etwas passieren konnte, das man so schnell nicht wieder vergisst.
Danke für all das, Ralf. Die „Batschkapp“ und viele Musikfans in der gesamten Rhein-Main-Region werden dich nicht vergessen.
WEBSEITE FACEBOOK INSTA „50 Jahre Batschkapp Sommerfest“: Mi. 3.6., 17 Uhr, Batschkapp Sommergarten, Frankfurt
