Die in Marburg aufgewachsene Linguistin wächst beruflich sowie privat stetig über sich hinaus und verhilft anderen Menschen zum persönlichen Wachstum. Einer dieser anderen Menschen bin ich, Nadine, Redakteurin beim FRIZZmag. Für mich ist es eine Ehre, ein Porträt über meine ehemalige Dozentin Prof. Dr. Nina Janich zu schreiben. Ich habe jahrelang ihre Vorlesungen, Seminare und Übungen zum Beispiel zu Werbe- oder Jugendsprache besucht, habe viel von ihr gelernt und sie stets als Vorbild betrachtet. Schließlich war Nina schon zu meinen Studienzeiten (bis 2013) dreifache Mutter und neben ihrer Tätigkeit an der TU Darmstadt Jurymitglied und dann auch Sprecherin des »Unwort des Jahres«. Ich fragte mich schon immer: Wie macht sie das nur? – Familie und ihren zeitintensiven Beruf unter einen Hut zu bringen. Nun weiß ich es endlich. Denn Nina hat mir all meine Fragen rund um ihre Funktion an der TU Darmstadt und über den fachlichen Tellerrand hinaus beantwortet. Herausgekommen ist ein Interview, das hinter die Brille einer auf allen Ebenen erfolgreichen Lehrenden in ihr Inneres blicken lässt und ihre starke Verbindung zu Darmstadt sichtbar werden lässt. Würde sie eines Tages einmal von der Wissenschaftsstadt beauftragt werden, einen Slogan über Darmstadt zu kreieren, würde dieser lauten: »Komm mit in den Park!« Denn Nina hält sich gerne im Schlossgraben, auf dem Schlosswall oder im Herrngarten auf, wenn sie zwischen ihren Veranstaltungen freie Zeit zur Verfügung hat. Prof. Dr. Nina Janichs Werdegang als Professorin für Germanistische Linguistik an der TU Darmstadt (seit 2021 mit geänderter Denomination: Professur für Germanistik – Angewandte Linguistik) beginnt Anfang der 2000er Jahre, nachdem sie an der Universität in Regensburg 1997 promovierte und 2003 dort auch habilitierte. Zuvor absolvierte sie ihr Magister-Studium an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz in Germanistik, Mittlerer und Neuerer Geschichte sowie Publizistik. »Ich habe zwischen Promotion und Habilitation noch ein Verlagspraktikum gemacht. Als ich danach in Regensburg wieder zur Uni gegangen bin, habe ich eindeutig gespürt, dass das – die Universität – der Ort ist, zu dem ich immer dazugehören möchte. Also nicht nur als Gast zum Beispiel. Also habe ich weitergemacht und mich später bei verschiedenen Unis beworben. Bis heute bin ich dankbar für dieses Erlebnis – danach gab es nie mehr wirkliche Zweifel an meinem Weg.« An der TU Darmstadt war dann die thematische Passung für Ninas fachliche Schwerpunkte und ihre interdisziplinären Interessen gegeben. »Mich haben immer schon Fachsprachenforschung und Fachkommunikation interessiert. Und das hat hier sehr gut gepasst, und auch das Umfeld Technische Universität klang für mich spannend. Da man dafür einen „Ruf“ braucht, war es natürlich nicht allein meine Entscheidung, als Professorin an die TU zu gehen – aber ich hatte Glück und habe die Stelle bekommen. Das war 2003, 2004 bin ich hier zur Professorin ernannt worden. Was mich bis heute hier gehalten hat, ist, dass wir einerseits Kinder bekommen haben und ich mich an meinem Wohnort an der Bergstraße sehr wohl fühle. Andererseits weiß ich die interdisziplinäre Offenheit der TU Darmstadt sehr zu schätzen. Das ist eine Besonderheit, die es eher selten so ausgeprägt an Unis gibt. Das starke Bekenntnis der TU zur Interdisziplinarität wirkt sich in Forschung und in der Lehre aus – diese Aufgeschlossenheit, die flachen Hierarchien, die raschen Kontakte auf einer persönlichen Ebene mag ich. Zudem haben wir ein kleines Institut hier und kennen die meisten unserer Studierenden – das ist sehr familiär.« Obwohl Nina zwar ortsmäßig festen Fuß gefasst hat, weil sie sich in der Region mit ihrer Familie sehr wohl fühlt, bleibt sie beruflich niemals stehen. Heute ist ihr Schwerpunkt an der TU Darmstadt Wissenschaftskommunikation.
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Nina Janich in den Bergen
»Auf der einen Seite widme ich mich Wissenschaftskommunikation als Forschungsgegenstand und arbeite unter anderem an der Frage, wie man diese praktisch befördern kann. Und auf der anderen Seite untersuchen wir ökologische Diskurse zu Themen wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Chemikalienverschmutzung und so weiter. Gerade hier arbeiten wir oft interdisziplinär, also zum Beispiel zusammen mit Ökologie, Politikwissenschaft und Philosophie. Wir haben uns mit dem insektenfreundlichen Mähen von Grünflächen auseinandergesetzt – da war unter anderem auch die Stadt Darmstadt beteiligt –, oder auch mit Konflikten rund um den Wald. Aus diesem letzten Projekt ist ein „Walddenkpfad“ entstanden, den wir gerade in die Praxis umsetzen. An der Bergstraße kann man ihn am Alsbacher Schloss als 3 Kilometer langen Rundweg schon ablaufen. Wir machen also – wo möglich – immer auch selbst Wissenschaftskommunikation zu unseren Projekten.« Doch wann schaltet Nina, die »Arbeitsenthusiastin«, wie ihr Ehemann sie manchmal kopfschüttelnd nennt, mal ab? Was sie erdet, ist vor allem eine richtige Auszeit mit ihrer Familie jedes Jahr im dreiwöchigen gemeinsamen Sommerurlaub. Entschleunigung erfährt sie auch durch das Einkochen von Marmelade, durch ihre Natur- und Kulturfotografie, die sie auf ihrem Instagram-Account teilt, oder im Landschaftspflegeverein in Zwingenberg, in dem sie ehrenamtlich tätig ist. Nina sammelt nicht nur gerne neue Lebenseindrücke, sondern seit ihrer Jugend zudem Kartenspiele wie Skat- oder Bridge-Karten. Ihre Sammlung besteht aus über 360 Kartenspielen aus 33 verschiedenen Ländern (darunter auch noch die Sowjetunion, die DDR und Jugoslawien). Ihre ältesten Spiele stammen aus dem 19. Jahrhundert aus Deutschland, aber sie hat zum Beispiel auch ein spanisches Spiel aus den 1920er oder schwedische aus den 1950er Jahren. Am originellsten ist ihr indisches Spiel aus Palmblättern. »Mich haben Kartenspiele irgendwie immer schon fasziniert. Ich weiß nicht, woher das kommt. Als Sammlerin bin ich Fan vor allem von unterschiedlichen Vorderseiten. Wenn Bube, Dame und König beispielsweise in Trachten aus unterschiedlichen Regionen gekleidet sind oder von Künstler:innen oder auch satirisch gestaltet wurden, dann bin ich glücklich.« Sich auf so unterschiedlichen Ebenen selbst verwirklichen kann Nina vor allem, weil sie viel Kraft von ihrer Familie und ihrem Arbeitsteam erfährt. »Mein Mann hielt mir beruflich immer den Rücken frei und hat mich in all meinen Vorhaben bestärkt. Meine Töchter, die mittlerweile schon 16, 18 und 20 Jahre alt sind, halten mich jung, zum Beispiel, wenn sie mir Social Media erklären. Wir lernen alle voneinander und entwickeln uns gemeinsam weiter. Hinzu kommt, dass ich wirklich gerne arbeite und ein tolles Team um mich habe. Alles greift irgendwie gut ineinander, und das macht mich sehr glücklich.«, verrät Nina. INSTAGRAM WEBSEITE
