Å Pävi Støre, Å Pävi Studiø, „Markt der schönen Dinge“. Antje Pihan bringt skandinavisches Lebensgefühl in die Darmstädter Kreativszene. Mit immer neuen Ideen schafft sie Orte der Begegnung. Eine Geschichte über Mut, Kreativität und Gemeinschaft. Manche Lebenswege entwickeln sich an einem roten Faden entlang – bei Antje Pihan ist er gelb-blau. Ihre Verbindung zu Skandinavien reicht weit zurück: Sie ging in Schweden zur Schule, reist auch heute noch mindestens einmal im Jahr zum Auftanken dorthin und arbeitete zeitweise bei IKEA. Was als kleiner Laden begann, ist heute ein Konzept aus Geschäften, Märkten und Events. Antje Pihan entwickelt ihre Ideen stetig weiter – „Ich mag es, immer etwas Neues zu schaffen“. Begleitet wird sie dabei von ihrem Mann, der sie tatkräftig unterstützt und sie gelegentlich auch mal bremst, wenn die Projekte zu groß werden könnten. Die Kinderbetreuung teilen sich beide 50:50. Die Innenarchitektin studierte an der Hochschule Darmstadt und arbeitete anschließend fünf Jahre als Visual Merchandiser bei IKEA in Frankfurt Nieder-Eschbach. Dort verantwortete sie die saisonale Gestaltung der Verkaufsflächen. Nach dem Tod des Gründers Ingvar Kamprad und der Übernahme durch dessen Söhne veränderten sich Arbeitsweise und Miteinander. „Es war eine schöne, aber auch eine sehr herausfordernde Zeit. Dadurch habe ich aber gelernt gut mit Stress umzugehen“, erzählt sie. Ihre eigene Kreativität ist dem Energiebündel Antje immer wichtig. Bekannt wurde sie mit Darmstadt-Motiven, die sie selbst auf Holz aufzieht. Parallel zum Job verkaufte sie am Wochenende ihre Holzbilder und Betonschmuck, reiste zu Märkten und Messen durch ganz Deutschland – unterwegs im Oldtimer VW-T4-Bus. Später bewarb sie sich als Managerin für den IKEA-Store in Wallau. Auf die Frage, ob sich die Position mit den (Wochenendmärkten) Messen am Wochenende vereinbaren lasse, bekam sie eine klare Antwort: nein.
Ein riesiger Schritt
Es folgte eine „krasse Entscheidung“: Statt eines leitenden Jobs in einem größeren Unternehmen wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit. Ende 2019 wurde ein lange leerstehende Schumacher-Laden in der Pallaswiesenstraße frei. Damals wohnte sie mit ihrem Mann in der Wohnung obendrüber. Nach einer Renovierung nach eigenen Plänen und mit selbst gebautem Mobiliar eröffnete sie ihren Concept-Store „Å Pävi“ mit skandinavischem Design. Im Sortiment: ihre eigenen Produkte, Postkarten, Keramik, Seifen und Mützen. Kleine Labels zu fördern, war ihr von Anfang an wichtig. Ihr Motto: „Support small labels“. Dann kam Corona. „In Corona-Zeiten habe ich sehr viel gearbeitet, denn es entstand die Idee mit den Outdoor-Messen.“ Erst fragte Antje bei dem Wochenmarkt auf dem Johannesplatz – dort sind jedoch nur Lebensmittel zugelassen. Auf der Suche nach einem neuen Ort fiel ihre Wahl auf den Riegerplatz, wo im Herbst 2020 der erste „Markt der schönen Dinge“ mit Hygienekonzept stattfand.
Markt der schönen Dinge – für ein Miteinander von Jung und Alt
Den „Markt der schönen Dinge“ organisiert sie inzwischen (mehrmals) vier mal im Jahr an verschiedenen schönen Orten in Darmstadt. Die Community wächst stetig: etwa 4.000 Besucher:innen, rund 90 Labels aus ganz Deutschland, sogar aus der Schweiz, reisen an. „Der Kreativmarkt soll das Miteinander von Jung und Alt fördern.“ Daher werden auch Workshops angeboten, Musik, Drinks und Streetfood. „Ich möchte Menschen mit „Å Pävi“ und dem Markt Freude bereiten, dass die Menschen Schönes miteinander erleben“. Auch schwedische Traditionen wie Osterbriefe, das Lucia-Fest oder jetzt am 7. Juni „Midsommar auf der Mathildenhöhe“ bringt sie nach Darmstadt. Neue Labels sucht sie ständig. Im November 2025 taten sich Antje und Hannah Kling von Thildas Eis zusammen. Aus einem Pop up Store, der eigentlich nur für den Winter geplant war, entwickelten sich schon bald neue Pläne: Sie eröffneten einen gemeinsamen Store – „ Denn Eis + Schönes passt gut zusammen“. „Da hatte ich mehr Platz und eine bessere Lage. Es war eine schöne Zeit bei Thildas Eis“. (Kurz darauf) Zwei Jahre später wurden nebenan Flächen, im ehemaligen Bio-Laden, frei. „Die Anmietung der Flächen war absolut nicht geplant. Ganz im Gegenteil – ich habe versucht, alle möglichen Freundinnen zu überzeugen, dass sie dort etwas machen könnten. Als Hannah Kling, Inhaberin von Thildas Eis, im Mai 2025 einen weiteren Laden in Bessungen eröffnete, kam die Erleuchtung: „Eines Tages stand ich vor den Schaufenstern und dachte – ‚Die Räumlichkeiten sind so schön, vielleicht sollte ich es wagen…‘.“ Es folgte ein größeres Renovierungsprojekt, in weiten Teilen in Eigenleistung. Den Innenausbau übernahm ihr Mann – im klaren skandinavischen Stil nach ihren Entwürfen. Ein Blickfang: die Theke aus Holz-Platten vom Sperrmüll, von ihr selbst mit Fliesen gestaltet, worauf sie sehr stolz ist. Ende Oktober 2025 eröffnete „Å Pävi Støre“. Angeboten werden Wohnaccessoires, Schmuck, Kerzen, Papeterie und Kulinarisches mit persönlicher Note und viele Produkte kleiner regionaler Labels.
Aufruf an Darmstädter: das „Å Pävi Studiø“ beleben
Mit dem benachbarten „Å Pävi Studiø,“ hat sie nun Raum für Workshops, getrennt durch eine Schiebetür vom Pop-Up-Kitchen „Schuki“ mit Gastro-Küche (vom Café Schuknecht betrieben). Die Räume können für Events, Workshops und Feiern gemietet werden. Sie wünscht sich, dass das Å Pävi Studiø und das „Schuki“ unter der Woche noch belebter wird – etwa durch Kinder-Workshops, während die Eltern ein Eis essen, durchs Viertel flanieren oder selbst einen Workshop besuchen. Auch mobile Angebote wie Kinderfriseure kann sie sich gut vorstellen. Im Martinsviertel kommt das gut an: Die kleine Einkaufsmeile in der Schuknechtstraße ist optisch aufgewertet, auch durch die Neugestaltung der Fassade. Mit ihren Läden und Events zieht Antje viele Menschen an – und macht das Viertel noch lebendiger. Vielleicht liegt ihr Antrieb auch in dem, was sie aus Schweden mitgenommen hat: der Sinn für Gemeinschaft und das Gespür für die kleinen, schönen Dinge im Alltag. Ihr Rezept ist entsprechend einfach: Nähe und Austausch. „Ich spreche sehr viel mit meinen Kunden und manchmal gibt es auch ein kleines Geschenk für die Kinder (lächelt).“ Nächster Markt: Midsommar auf der Mathildenhöhe, 7. Juni, 11 – 18 Uhr, Designhaus auf der Mathildenhöhe, Eugen-Bracht-Weg 6, Darmstadt ZUR WEBSEITE | INSTAGRAM
