Mit ihrem Mix aus psychedelischem Rock, softem Soul und einer Prise Indie-Pop schafft „Theodor“ einen Sound, der gleichermaßen retro wie zeitlos wirkt. Auf seinem neuen Album „Holocene“ verbindet das aus Darmstadt stammende Quartett warme, analoge Klangfarben mit feinen Melodien und relaxten Grooves. FRIZZmag sprach mit Schlagzeuger Robert und Bassist Grégoire über den Entstehungsprozess des Albums, ihre Liebe zum Vintage-Sound und die besondere Energie ihrer Liveshows. FRIZZ: Ende vergangenen Jahres habt ihr euer neues Album „Holocene“ veröffentlicht – wie würdet ihr den Sound und die Stimmung der Platte in wenigen Sätzen beschreiben? Robert: Ich würde sagen, dass das neue Album songorientierter ist. Und die Stücke sind teilweise ruhiger, balladesker als auf der ersten Platte, die eher einen durchgängigen Vibe hatte, den man gut in einem durch hören konnte. „Holocene“ ist psychedelischer und in alle Richtungen expressiver. Euer Stil wird gerne als „retro“ oder „zeitlos“ bezeichnet. Was fasziniert euch so sehr an diesem warmen, analogen Sound vergangener Jahrzehnte? Grégoire: Ein Blick in Roberts Plattenschrank beantwortet die Frage ganz gut, denke ich. Da findest du viele Vinyls, die man als "retro" oder "zeitlos" bezeichnen könnte. Das ist einfach die Musik, die wir mögen. Und ich habe den Eindruck, dass es auch seit einigen Jahren in bestimmten Bereichen der Popmusik eine Art „Back to analog“-Bewegung gibt. Und neben den ganzen digitalen Optionen finde ich es gut, dass es eine verstärkte Rückbesinnung auf diese Zeit und diesen Sound gibt. Die Platte klingt sehr organisch und detailverliebt. Wie lief die Produktion ab – eher spontan oder minutiös geplant? Robert: Eher spontan, würde ich sagen. Ähnlich wie beim ersten Album, sind die Songs für „Holocene“ in wenigen Sessions entstanden. Wir haben also nicht geschrieben, arrangiert und die Songs „reifen“ lassen, sondern haben den kreativen Prozess oft gleich aufs Band gebracht. Grégoire: Man könnte den Prozess „zielgerichtetes Jammen“ nennen. Wir haben uns in diesen Jams Stück für Stück zum Kern des Songs herangetastet. Haben mit Parts gespielt, manches weggelassen, neues ausprobiert und ausgeschmückt, bis sich das Grundgerüst und der Vibe für uns alle gut angefühlt hat. Robert: Dabei war uns immer wichtig, dass die Songs Raum haben, luftig bleiben. Unsere Musik soll nicht verkopft und schon gar nicht überproduziert rüberkommen. Gibt es Studios oder Produzenten, die euch bei den Aufnahmen besonders inspiriert haben – vielleicht auch durch ihr analoges Equipment oder ihre Arbeitsweise? Robert: Ich finde den Sound von aktuellen Acts auf „Big Crown Records“ oder „Colemine Records“ ganz inspirierend. Die haben alle dieses luftige und dabei einen schönen, crispen Sound. Aber die Produktionsweise von deren Platten hat keinen direkten Einfluss, denke ich. Das ist auch eher ein Thema meines Bandkollegen Lui, den man als unseren „Aufnahmeleiter“ bezeichnen könnte. Grégoire: Lui hat auch während unserer Aufnahmen dieses Rick Rubin-Buch gelesen (gemeint ist „The Creative Act: A Way of Being“ aus der Feder des legendären US Produzenten, Anm. d. Red.). Der beschäftigt sich ziemlich sicher bewusster mit unserer Produktion, denke ich. Uns beeinflussen, wie Robert schon sagt, mehr die Platten anderer Bands und ihr Sound im Allgemeinen als die Produktionsweise. Robert: Und wir hören auf jeden Fall auch viel Musik, wenn wir im Studio sind. Oft starten wir dann mit solchen Stimmungsbildern den kreativen Prozess und am Schluss kommt ein ganz anderes Feeling dabei heraus, als zu Beginn. Das – ist aber durchaus nicht ungewöhnlich und geht sicher vielen anderen Bands ähnlich. Grégoire: Am Ende klingt das immer nach „Theodor“, weil wir vier das zusammen gespielt haben. Robert: Und weil wir meistens mit „Basis-Instrumenten“, wie einem Rhodes Piano oder einer Farfisa Orgel arbeiten. Gibt es so etwas wie einen roten Faden, der sich durch „Holocene“ zieht? Robert: Ich denke, den hört man (lacht). Als wir mit den Aufnahmen begonnen haben, gab es sicher kein großartiges Konzept für die Platte. Wir haben aber immer geschaut, dass wir nach zwei, drei Songs geschaut haben, wie die nächsten Songs, die Stimmung dieser Songs gut ergänzen könnten. Wir machen nicht einfach random zehn Songs, sondern haben immer geachtet, dass das ein rundes Ganzes ergibt. Und wenn ein Song mal den Bogen überspannt und nicht mit den anderen harmoniert hat, haben wir den auch wieder rausgenommen, oder eine andere Version davon aufgenommen, die für unsere Ohren besser geklungen hat. Live seid ihr für eure dichte, fast hypnotische Atmosphäre bekannt. Wie übertragt ihr den Detailreichtum eurer Songs auf die Bühne? Grégoire: Als wir mit der Band angefangen haben, gab es eigentlich gar keinen Plan, auch live zu spielen. Zum Glück sind wir davon aber abgekommen und doch auf die Bühne gegangen. Einfach, weil es vermehrt Konzertanfragen gab und dann musstenn wir halt (lacht). Es macht einfach unheimlich viel Spaß, diese Musik live zu spielen! Robert: Wobei wir mit den Songs schon auch jonglieren mussten, weil wir schnell gemerkt haben, dass wir sie so, wie sie auf Platte sind, live nicht funktionieren. Das hat dann einen neuen kreativen Prozess in Gang gesetzt. Grégoire: Wir schauen mittlerweile, was auf jeden Fall an Material für die Liveversion übertragen werden muss, damit der Song schon noch als der Song erkennbar ist, arbeiten ihn aber bei unseren Proben so um, dass wir ihn für die Liveversion auch Raum für spontane Ideen geben. Wir möchten es spannend halten – für unser Publikum und für uns. Gibt es Songs von „Holocene“, die live eine ganz andere Energie entfalten als auf Platte? Grégoire: Das geht mir mit dem ersten Song der Platte so, „Tropical Bird“. Der hat auf dem Album eine sehr schöne, chillige Klangwelt – ist aber live ein Banger. Der Song hat sich live auf jeden Fall in eine andere Richtung entwickelt. Robert: Wir haben da live einen Percussion Part eingebaut, bei dem Bass und Keyboards wegfallen, der dreht den Song definitiv. Viele eurer Einflüsse liegen in den 70ern – denkt ihr, dieser Sound erlebt gerade ein Comeback bei einem jüngeren Publikum? Grégoire: Auf jeden Fall, würde ich sagen. Das Publikum bei unseren Shows ist vom Alter her recht gemischt, aber es gibt da ziemlich viele jüngere Leute, und ich denke, da gibt so eine neue „retro“-mäßige Seite in der Popmusik, die viel junges Publikum anspricht. Und viele Platten, die uns in letzter Zeit beeinflusst haben, sind meist nicht älter als zehn bis zwanzig Jahre. „Moon Safari“ von „Air“ aus den späten Neunzigern ist so eine der „älteren“ Platten, die wir in letzter Zeit öfter gehört haben. Robert: Die Popmusik ist heute gleichgeschaltet, immer geradliniger. Auf der anderen Seite gibt es aber auch eine Indie-Hörerschaft, die offen ist für weniger stringente, strukturierte Musik. Da spielt auch das Internet eine wichtige Rolle, weil Musik wie unsere immer wieder auch über Playlists neue Hörer:innen findet. Mittlerweile bekommen Leute auf „Spotify“ ja auch angezeigt, wenn ihre favorisierten Bands in ihrer Nähe spielen. So kommt es, dass wir jetzt erste Shows in London und in Paris spielen und die erste Show in Paris sogar bereits ausverkauft ist. Da wurde nie ein Plakat aufgehängt und hat uns total überrascht. Wie wichtig ist euch das Visuelle – etwa Artworks, Videos oder die Ästhetik auf der Bühne – als Ergänzung zu eurer Musik? Grégoire: Sehr wichtig! Ich hatte den Eindruck, dass wir -überspitzt gesagt- für die Umsetzung des Plattencovers von „Holocene“ fast länger gebraucht haben, als für das Schreiben der Songs (lacht). Wir haben uns da ziemlich viel Zeit gelassen und in verschiedene Richtungen überlegt, wie unser Album auch visuell rüberkommen soll. Das gilt auch für unsere Musikvideos – die sollen unbedingt stimmig mit unseren Songs sein und es macht einfach Spaß, diese Ebene in unsere Musik einzubeziehen. Und live hatten wir in letzter Zeit immer noch unseren Lichtmann Oskar dabei, der den Shows nochmal einen weiteren visuellen Vibe mitgegeben hat. Robert: Das Cover hat übrigens ein Kumpel von uns, Harald Hermann, gestaltet, der viel mit verschiedenen Ebenen arbeitet. Und das Motiv mit dem Kopf, durch den Wolken ziehen, hat uns sehr angesprochen. Es ist weder zu schnörkelig noch zu schlicht und passt gut zu uns. Ich finde es generell gut, mit Leuten zu arbeiten, die man kennt und die einen verstehen. Das war ein gutes Match mit Harald. Ihr habt schon auf kleinen Clubbühnen, aber auch auf größeren Festivals gespielt. Wo fühlt ihr euch wohler – intime Clubs oder Open Air? Robert: Hat beides seinen Reiz. Sowohl das intime Cluberlebnis kann sehr magisch sein, aber auch größere Festivals können großartige Momente liefern. Wobei jeder Abend anders ist. Selbst zwei Shows in sehr ähnlichen Clubs können vollkommen unterschiedlich laufen. Grégoire: Dieses Kleine im Club, diese Nähe – das passt schon sehr gut zu uns. Wobei es für den Klang mitunter schon besser ist, wenn es ein bisschen Abstand zum Publikum gibt. In größeren Venues ist der Sound meist besser, und das wirkt sich natürlich auch auf den Spaß aus, den wir auf der Bühne haben. Ihr seid ab September wieder live unterwegs und macht hierbei Anfang September auch Station im Wiesbadener „Schlachthof“. Was steht für Theodor nach der „Holocene“-Tour an? Robert: Wir sind momentan schon mitten in der Produktion unseres dritten Albums und hoffen, die im Herbst abschließen zu können. Parallel sind wir gerade am Booking für eine Tour an der US-Westküste dran, die dann im März und April passieren wird. Und im Sommer werden dann voraussichtlich die ersten Releases unseres kommenden Album folgen. Vielen Dank für das Gespräch.
„Theodor“ live: Fr. 5.9., Schlachthof, Wiesbaden, 20 Uhr Do. 9.10., Alte Feuerwache, Mannheim, 20 Uhr ZUR WEBSEITE | INSTAGRAM
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Bitte sende eine E-Mail mit deinem vollständigen Namen und Kontakt an verlosung@frizzmag.de. Betreff: „Theodor“ Einsendeschluss: 3.9.2025 Die Gewinnbenachrichtigung erfolgt per E-Mail
