©Thea Nivea
Thea Nivea Glosse
Thea Nivea
Hi, ich bin Thea Nivea. Nivea hab ich von meinem Vater. Weil ich als Kind mal Nivea gegessen habe. Erklärt er jedem, ders nicht hörn will. Überhaupt erklärt er reichlich viel. Damit ich durchblicke, sagt er. Dabei blick ich schon durch, sogar bei Politik. Oder bei Fußball. Und erklär ihm auch manchmal was. Oder meine Mutter mischt sich ein. Was dabei raus kommt, na ja, könnt Ihr selbst lesen, jeden Monat. Wenn Ihr mir was erklärn wollt, schreibt mir einfach: t.nivea@frizzmag.de
Wie soll ich, hab ich meinen Vater gefragt, meine August-Glosse schreiben, wenn ich den ganzen Juli im Urlaub bin, ich krieg dann doch nix mit. Kein Problem, meinte er, es gibt Medien. Okay, Facebook, da existiere ich noch, lesen tu ich aber schon lange nix mehr, vor allem nix, was mit Kommunalpolitik zu tun hat, sonst könnt ich nur noch kotzen. Posten seit 100 Jahren auch nicht, warum ich noch Freundschaftsanfragen kriege, keine Ahnung. Insta, na ja, geht so. Du kriegst mein Passwort, meinte mein Vater, dann kannst du jeden Tag E-Paper lesen. Na toll, sehr indirekt, was man dann so mitkriegt als Widerhall auf das, was so passiert. Wie heißt der Bürgermeister von Wesel? Esel. So ist das beim Echo, da fehlt halt immer was vom Ganzen. Und quatschen drüber geht diesmal ja auch nicht. Wer hat denn entschieden, mit seinen Mädels in Urlaub zu fahren? O-Ton meine Mutter. Sie sind wieder in ihrem geliebten Bio-Hotel in Südtirol im Wunderort Mals, wo alles öko ist und nachhaltig und umweltbewusst, weil die den pestiziden Monokulturobstanbau nicht mitmachen, der gelobte Malser Weg. Viele pilgern da hin und hoffen zu erfahren, wie man das auf hier übertragen könnte. Auch die Landtagsgrünen waren da, weiß ich gesichert von meiner Mutter und einem jetzt Ex-MdL. Apropos Grüne, als wir hier mit den Rennrädern, also hier ist Urlaubsort, ich sag besser nicht wo, an so ner Radrastwirtschaft vorbei gefahren sind, hing da ein Plakat mit der Head: Grüne&Grün-Wähler, Grüne und Grün grün geschrieben. Hier gibts ja doch Grüne, hab ich gedacht. Von wegen: werden bei uns nicht mehr bedient, gings weiter. War mit: Die deutschen Bauern! unterschrieben und Schwarz-Rot-Gold unterstrichen. Wir haben überlegt, ob wir reingehen und uns als Lesben-Fanclub von Alice Weidel ausgeben. Sind aber lieber schnell weitergefahren, nur kurz n Foto gemacht. Meiner Mutter hätt ichs besser nicht geschickt: Das wär dir hier nicht …, ja, Mama, Südtirol ist zwar autonom, aber trotzdem Italien. Io sono Georgia, die Frau Meloni ist sicher nicht so ganz dein Fall, oder? Okay, die alten weißen Staatsmänner wickelt sie offenbar weltweit um den Finger, genug Resttestosteron scheinen die noch zu haben, um auf Georgias Faschogesäusel abzufahren. Als es mal geschüttet hat, hab ich mich durch die E-Papers geblättert. Auf einer letzten Seite unten stand, dass David Beckham beim Haareschneiden mit seinem Rasierer abgerutscht ist, jetzt ne fast kahle Stelle am Schädel hat und sich sein Victoria-Ex-Posh-Spice-Girl darüber auf seine Kosten köstlich amüsiert. Danach hab ich mich auf die Darmstadt-Teile konzentriert. Darmstadt, les ich, hat jetzt über 170.000 Einwohner. Der Woog ist unter Wasser gemäht worden, damit es keine Blaualgen mehr gibt, leider wirds dann beim Schwimmen nicht mehr kitzeln. Cindy S hat Amtix abgelöst, jetzt beschweren sich die Messeler, Erzhäuser und vereinzelte Nordwixhäuser. Mein Tipp: Umziehen nach Arheilgen oder Kranichstein, lohnt sich aber erst, wenns nicht mehr nur Probebetrieb ist. Oder niemand mehr fliegt, war ja nicht alles schlecht unter Corona. Apropos: Im Klinikum gibts jetzt einen Operationssaal für Kuscheltiere, ich kannte bislang nur den Friedhof der Kuscheltiere. Der älteste Darmstädter Friedhof wurde unterm Pflaster der Piazza entdeckt, 13 Skelette aus dem 12. Jahrhundert. Beim Fall La Mina bemühen sich die Beteiligten redlich, sich zu schaden, weiß denn sonst noch jemand, worums da geht? Philip Krämer ist bei der Entega untergekommen, um den muss man sich auch nicht mehr sorgen. Im Ludwigshöhviertel gehts reziprok proportional zur Rheinstraßenbrücke voran. Im Odenwald schaffen sie es, eine im April gesperrte Brücke Ende Juli gesprengt zu haben, nächstes Jahr ist die neue vielleicht schon fertig. In Darmstadt? Ich spekuliere: zu meiner 250. Glosse im Juni 2029 wird die neue OB‘in Kerstin Lau Ex-BGM Michael Siebert Einsicht in die Pläne gewähren, in 71 Glossen wird die Brücke abgerissen. Egal, bis zu dieser meiner 275. Glosse dauerts noch, bin froh, dass ich jetzt erst mal meine 204. geschafft habe. So, Ende der Notizen, weiter mit Urlaub.
