©Thea Nivea
Thea Nivea Glosse
Thea Nivea
Hi, ich bin Thea Nivea. Nivea hab ich von meinem Vater. Weil ich als Kind mal Nivea gegessen habe. Erklärt er jedem, ders nicht hörn will. Überhaupt erklärt er reichlich viel. Damit ich durchblicke, sagt er. Dabei blick ich schon durch, sogar bei Politik. Oder bei Fußball. Und erklär ihm auch manchmal was. Oder meine Mutter mischt sich ein. Was dabei raus kommt, na ja, könnt Ihr selbst lesen, jeden Monat. Wenn Ihr mir was erklärn wollt, schreibt mir einfach: t.nivea@frizzmag.de
Als Kind fand ich die kurios, sag ich, es hat mich total irritiert, dass es sowas auch im Freien gibt. Vor allem ging sie so gut wie nie, sagt meine Mutter. Wie lange gibts die eigentlich schon, frag ich, 50 Jahre müssten das doch sein. Könnte hinkommen, sagt mein Vater, seitdem ich in die Krone gehe, ist sie gefühlt da, eigentlich müsste sie unter Denkmalschutz gestellt werden. Und die ganze Schmuddelecke gleich mit, fragt meine Mutter, du meinst das doch nicht ernst? Naja, sag ich, ist schon ein Ausdruck von Darmstädter Subkultur. Stimmt, sagt mein Vater, ihr habt da mal nen FRIZZ-Kalender gemacht, mit Fotos von Graffitis. Genau, sag ich, um die Krone rum wars besonders ergiebig. Ich dachte, sagt meine Mutter, die Krone-Leute selbst hätten sich über die Verwahrlosung in ihrem Umfeld beschwert? Kann sein, sag ich, in der Schule hat sie dann auch ne Rolle gespielt, Deutsch, 8. Klasse, Rolltreppe abwärts, hat mich total genervt. Aber deutscher Jugendbuchpreis 1971, sagt mein Vater, und immer wieder aktuell, wie der erste Satz der Jury-Begründung belegt. Der wäre, frag ich. Mit Jochen geht es abwärts, liest mein Vater. Dein Handy wird auch immer größer, sag ich, aber mal nebenbei, was macht der eigentlich im Moment? Letztens hab ich ihn, sagt meine Mutter, bei der Schader-Stiftung gesehen. Hat jemand Bock, frag ich, über die aktuellen kommunalpolitischen Ereignisse in Darmstadt zu reden? Ereignisse, fragt meine Mutter, das sind doch alles absurde Streitereien, mit jedem zofft sich der OB. Hanno zeigt Haltung, sagt mein Vater. Die Leute wollen keinen Streit, sag ich, die wollen, dass es funktioniert. Schließt sich ja nicht aus, sagt mein Vater, ich bin ihm sehr dankbar für seine klare Ansage zur Brandnacht-Demo. Inklusive Gerichtsschelte, fragt meine Mutter. Inklusive, sagt mein Vater. Das war keine Schelte, sag ich, sondern eine politische Bewertung. Du wolltest doch wissen, sagt meine Mutter, was funktioniert, oder? Genau, sagt mein Vater, die FDP funktioniert, hat als erste Partei ihre 60 Bewerber für die nächste Stavo vorgestellt. 60, sag ich, Ich wusste gar nicht, dass es hier überhaupt so viele von denen. Die Grünen, sagt meine Mutter, haben eine neue Fraktionsspitze, das jüngste Mitglied ist jetzt Co-Vorsitzender. Wie jung, fragt mein Vater. Jahrgang 1997, sag ich, Philipp Löwel heißt er. Die Mooswand hat eine neue Heimat, sagt mein Vater, vor einem Jahr noch City-Tunnel, jetzt Hauptbahnhof. Wie kommst du jetzt auf die Mooswand, fragt meine Mutter. Warn wir nicht gerade beim Thema, sagt mein Vater, was ist grün und funktioniert? Die Klinikfusion z.B., sagt meine Mutter. Die Sparkassenfusion, sagt mein Vater, wobei die nicht grün ist, sondern rot. Stimmt, sag ich, das grüne Band der Sympathie war ne andere Bank. Die Stadtwirtschaft erwirtschaftet Kohle, sagt mein Vater, der Heag-Konzern schüttet 7,9 Mio aus. Und Heag Mobilo, sag ich, verkauft 6 Straßenbahnanhänger für 6 Euro nach Thüringen. Darmstadt verbessert sich, sagt meine Mutter, im bundesweiten Smart-City-Index. Von Rang 18 auf Platz 17, sag ich. Die Stadtmöbel, sagt mein Vater, werden gut angenommen. Stefan Zitzmann ist aus der CDU ausgetreten, sag ich. Vertritt aber immer noch ihre Werte, sagt mein Vater. Ich geh da so gut wie nie hin, sag ich. Als ich das letzte Mal da war, sagt mein Vater, wars noch ne Buchhandlung. Stimmt, sagt meine Mutter, 65 Jahre lang. Gibts noch was, fragt mein Vater, was funktioniert in Darmstadt? Der TU-Neubau am Saladin-Eck, sag ich. Der wird später fertig, sagt meine Mutter, die Eröffnung 2025 klappt nicht. Das ist man von der TU nicht gewohnt, sag ich, die sind sonst immer fast auf die Minute im Bauzeitenplan. Im Gegensatz zu, sagt mein Vater … Wir reden jetzt bitte nicht, sagt meine Mutter, über die Rheinstraßenbrücke. Insgesamt, wird doch alles gut jetzt, sag ich, mindestens rund um die Krone. Stimmt, sagt mein Vater, auf beiden Seiten sind die Schmuddelecken bald weg. Es geht also nicht abwärts, sagt meine Mutter, sondern aufwärts. So oder so, sag ich, jedenfalls nicht mehr auf ner Rolltreppe.
