©Thea Nivea
Thea Nivea Glosse
Thea Nivea
Hi, ich bin Thea Nivea. Nivea hab ich von meinem Vater. Weil ich als Kind mal Nivea gegessen habe. Erklärt er jedem, ders nicht hörn will. Überhaupt erklärt er reichlich viel. Damit ich durchblicke, sagt er. Dabei blick ich schon durch, sogar bei Politik. Oder bei Fußball. Und erklär ihm auch manchmal was. Oder meine Mutter mischt sich ein. Was dabei raus kommt, na ja, könnt Ihr selbst lesen, jeden Monat. Wenn Ihr mir was erklärn wollt, schreibt mir einfach: t.nivea@frizzmag.de
Wie siehts du denn aus, fragt meine Mutter. Prügel vom Nikolaus, fragt mein Vater. Wenn schon, sag ich, dann Knecht Ruprecht. Also gelumpt, sagt mein Vater. Ja, sag ich, wir hatten Weihnachtsfeier. Wer wir, fragt meine Mutter. Wir, sag ich, die FRIZZen. Welche Fritzen, fragt mein Mutter. Man könnte meinen, sagt mein Vater zu ihr, du hättest ihren Kater. Mama, sag ich, die FRIZZ-Redaktion, Salmhütte, extrem lustig und wahrscheinlich zu lang. Extrem lustig, sagt meine Mutter, wie muss ich mir das vorstellen? Ja, das ist schwer, sagt mein Vater, wenn man nur grüne Weihnachtsfeiern kennt. Die von der SPD, sagt meine Mutter, sind bestimmt auch nicht lustiger. Doch, sagt mein Vater, alleine schon, weil der Weihnachtsmann rot ist. Papa, Mama, hört auf, sag ich, keine Politik, mir platzt der Kopf, ich bin zum Adventsbrunch hier. An Heiligabend, sagt meine Mutter, kommst du ja nicht mehr, aber du hast uns versprochen … Ja, Mama, sag ich, wenn ich verheiratet bin und Kinder habe … Willst du denn überhaupt Kinder, fragt mein Vater. Ja, sag ich, Zwillinge. Aber Mädchen, sagt meine Mutter. Ja, Mama, wir nennen sie Cindy und Tina. Dann wirds hier , sagt mein Vater, sehr laut. Wer ist wir, fragt meine Mutter. No Comment, sag ich, kann ich ne Aspirin haben? Wenn du uns sagst, sagt mein Vater, was so lustig war. Wir haben, sag ich, Weihnachtsgeschenkewichtelnwürfeln gemacht. Ihr habt was, fragt meine Mutter. Weihwiwü, sagt mein Vater, coole Idee, von dir? Nein, sag ich, wir ham so ne verrückte neue Kollegin, die Idee klau ich mir für meine Party am 24. Wär das, fragt mein Vater, auch was für Mama und mich? Nein, sag ich, müssen schon mehr sein, 8 oder 10. Also gerade Zahl, sagt mein Vater. Ja, nein, sag ich, eigentlich egal. Dann erklär halt mal, sagt meine Mutter. Also, sag ich, erstmal muss jeder ein Weihnachtsgeschenk mitbringen. Wie beim Wichteln, sagt meine Mutter. Nur, sag ich, dass alle Geschenke erstmal in die Mitte kommen. Welche Mitte, fragt mein Vater. Man macht einen Sitzkreis, sag ich, legt alle Geschenke in die Mitte und auf Glöckchenklingeln nimmt sich jeder schnell eins. Ach du hast das, sagt meine Mutter, ich such schon die ganze Zeit unser Bescherungsglöckchen. Nein, Mama, ich habs nicht, das macht man heute mit ner App. Und wie weiter, fragt mein Vater. Dann, sag ich, packt jeder das Geschenk aus und zeigts. Und fragt, von wem es ist, sagt meine Mutter, so kenn ich das auch. Nein, Mama, sag ich, niemand darf was verraten, weil jetzt wird gewürfelt, nein, stop, hab vergessen, erst wird der Timer gestellt. Wie lange, fragt mein Vater. Gestern, sag ich, wars wohl zu lang. Also, sagt mein Vater, angenommen ich würfel ne 6. Typisch, sagt meine Mutter, dein Vater stellt sich sofort vor, er würfelt ne 6. Mit ner 6, sag ich, darfst du irgendjemand sein Geschenk wegnehmen und dafür deins geben. Und mit ner 1, fragt meine Mutter. Da müssen, sag ich, alle gemeinsam mit Glühwein anstoßen. Ihr hattet offenbar viele 1er, sagt mein Vater. Möglich, sag ich, ich erklär mal weiter: Bei ner 2 muss man das Geschenk mit seinem Gegenüber tauschen, bei 3 wirds nach links weiter gegeben, bei 4 nach rechts. Und bei 5, fragt meine Mutter. Muss man ein Gedicht aufsagen, sag ich, ich hatte zum Glück nur einmal ne 5. Welches Gedicht, fragt meine Mutter, hast du aufgesagt? Zickezacke, Hühnerkacke, sagt mein Vater. Leider nicht, sag ich, ich hab mir dein Lieblingsgedicht abgequält. Heinz Erhardt, sagt mein Vater: Wenn es in der Welt dezembert … Und wenn das Glöckchen klingelt, unterbricht ihn meine Mutter, ist das Spiel fertig? Der Timer, sag ich, aber ja, dann ist fertig und jeder behält das Geschenk, das er gerade hat. Und wenn einem das nicht gefällt, fragt meine Mutter. Dann, sag ich, kann man tauschen. Das scheint mir, sagt mein Vater, ein sehr sinnvolles Spiel zu sein. Genau, sag ich, deswegen mach ich das bei meiner Weihnachtsparty auch. Und kommst dann, sagt meine Mutter, am 1. Feiertag genauso verkatert an, wie heute. Möglich, sag ich, aber ihr werdets mir nachsehen, Weihnachten ist schließlich nur einmal im Jahr.
