©Thea Nivea
Thea Nivea Glosse
Thea Nivea
Hi, ich bin Thea Nivea. Nivea hab ich von meinem Vater. Weil ich als Kind mal Nivea gegessen habe. Erklärt er jedem, ders nicht hörn will. Überhaupt erklärt er reichlich viel. Damit ich durchblicke, sagt er. Dabei blick ich schon durch, sogar bei Politik. Oder bei Fußball. Und erklär ihm auch manchmal was. Oder meine Mutter mischt sich ein. Was dabei raus kommt, na ja, könnt Ihr selbst lesen, jeden Monat. Wenn Ihr mir was erklärn wollt, schreibt mir einfach: t.nivea@frizzmag.de
Was wünscht ihr euch vom neuen Jahr, fragt meine Mutter. Kriegt man von dem was geschenkt, frag ich. Deine Mutter ist noch im Weihnachtsmodus, sagt mein Vater. Ich dachte, sag ich, man wünscht sich was fürs neue Jahr. Weltfrieden z.B., sagt mein Vater, und Weltmeister werden. Im Land des FIFA-Friedenspreisträgers, sag ich, würd ich lieber im Achtelfinale ausscheiden. Gut, sagt mein Vater, wär dann einfacher, die WM zu boykottieren und kein einziges Spiel mehr zu gucken. Genau, sag ich. Ich will 2026, sagt meine Mutter, auf jeden Fall einen Hund. Oh, frag ich, ist deine Seele krank? Wieso, fragt meine Mutter. Gib dem Menschen einen Hund, sag ich, und seine Seele wird gesund, Hildegard von Bingen. Kannte ich nicht, sagt meine Mutter, aber ich denke, sie hat recht. Dann könnte man ja vielleicht, sagt mein Vater, die Pandemie der kranken Arschgeigen in der Politik mit Hunden gesunden. Da funktioniert das nicht, sagt meine Mutter. International, sagt mein Vater, geb ich dir recht, national gibts geringe Hoffnungen. Und kommunal, frag ich. Sind Wandrey und Zitzmann irgendwie auf den Hund gekommen, sagt mein Vater. Aber die haben sich doch jetzt wieder lieb, sag ich. Dass die CDU den wieder aufnimmt, sagt meine Mutter, nach den Ansagen, die der im Sommer gemacht hat, kann ich echt nicht fassen. Der CDU-Vorsitzende, sagt mein Vater, scheint da ziemlich schmerzfrei zu sein. Was willst du machen, sag ich, wenn jemand reumütig in seine Heimat zurück will. Könnten wir uns bitte, sagt meine Mutter, über etwas weniger gestörte Narzissten unterhalten? Gerne, sagt mein Vater, Partsch und Reißer kandidieren für die Stavo. Benz hat im Juni Halbzeit, sag ich, die zweite beginnt, wenn Deutschland gegen Ecuador spielt. Könnt ihr mal eure ewigen Fußballanalogien sein lassen, sagt meine Mutter. Gerne Eishockey, sagt mein Vater, ich denke, dass dann sein erstes Viertel rum ist, im zweiten Viertel wird er wieder gewählt. Ich erinnere mich daran, sagt meine Mutter, dass der letzte SPD-OB nicht wieder gewählt wurde. Soweit ich mich erinnere, sag ich, war das gleichzeitig der erste. Lassen wir das, sagt mein Vater, erstmal sind ja Kommunalwahlen. Ich hätte nen guten Slogan für Wandrey, sag ich, würde symbolisch auch zur Zitzmann-Nummer passen. Beide Arm in Arm, sagt meine Mutter, mit dem Slogan: Linke Bündnisse verhindern. Mein Vorschlag wäre, sag ich: Politik muss Brücken bauen. Der ist wirklich gut, sagt mein Vater, würde ich aber erst zur übernächsten Kommunalwahl bringen. Ja, sag ich, in der Wahlperiode 2031-2036 könnte es mit der Rheinstraßenbrücke was werden. Ich weiß, sagt meine Mutter, ihr seid eurer Zeit gerne voraus, aber erstmal wird für die nächsten fünf Jahre gewählt, nicht für die übernächsten. Okay, sag ich, lassen wirs, bis zum 15. März ist ja noch reichlich Zeit. Ich warte, sagt meine Mutter, noch auf eure Antworten. Was war nochmal die Frage, fragt mein Vater. Was ihr euch vom neuen Jahr wünscht, sagt meine Mutter. Man soll das Jahr, sagt mein Vater, nicht mit Programmen beladen wie ein krankes Pferd … … wenn man es allzu sehr beschwert, bricht es zu guter Letzt zusammen, sag ich, Erich Kästner, brav zitiert, Papa, aber Mama wollte nur wissen, was wir uns wünschen. Jedenfalls keinen Hund, sagt mein Vater. Du sollst, sag ich, nicht sagen, was du dir nicht wünschst, sondern … Ich weiß, sagt mein Vater, aber trotzdem keinen Hund, sondern eine Katze. Das wünscht er sich erst, sagt meine Mutter, seitdem ich einen Hund will. Schließt sich das gegenseitig aus, frag ich. Ja, sagt mein Vater. Nein, sagt meine Mutter gleichzeitig.
Mit dem Weltfrieden, sag ich, könnts schwierig werden, wenn gerade unser Familienfrieden gefährdet ist. Den du dir sehnlichst wünschst, sagt mein Vater. Genau, sag ich. Und was noch, fragt meine Mutter. Keinen Hund, sagt mein Vater. Keine Katze, sagt meine Mutter. Genau, sag ich, nämlich das, was ich als Kind von euch nie gekriegt habe. Oh Gott, sagt meine Mutter, ich ahne es. Mäuse, sagt mein Vater. Weiße, sag ich, hab sie mir auch schon besorgt, weil geschenkt kriegt man auch 2026 nix.
