©Thea Nivea
Thea Nivea Glosse
Thea Nivea
Hi, ich bin Thea Nivea. Nivea hab ich von meinem Vater. Weil ich als Kind mal Nivea gegessen habe. Erklärt er jedem, ders nicht hörn will. Überhaupt erklärt er reichlich viel. Damit ich durchblicke, sagt er. Dabei blick ich schon durch, sogar bei Politik. Oder bei Fußball. Und erklär ihm auch manchmal was. Oder meine Mutter mischt sich ein. Was dabei raus kommt, na ja, könnt Ihr selbst lesen, jeden Monat. Wenn Ihr mir was erklärn wollt, schreibt mir einfach: t.nivea@frizzmag.de
Ist ein bisschen wie bei Dornröschen, sag ich, die neue Stavo. Warum Dornröschen, fragt meine Mutter, märchenhaft sind die Verhältnisse gerade nicht. Dass sie 100 Jahre geschlafen hätten, sagt mein Vater, kann man auch nicht sagen, bei aller Kritik, also warum? Weil, sag ich, wir hatten auf 12 getippt, aber 13 sind reingekommen. Verstehe, sagt meine Mutter, 12 gute Feen, eine böse. Wer ist die böse Fee, fragt mein Vater. Das ist ja wohl klar, sag ich. Und wer der Prinz und die Braut, fragt meine Mutter. Oder der Koch, fragt mein Vater, der die Ohrfeige kriegt? Der Koch ist einfach, sagt meine Mutter, das ist der OB. Erkläre, sagt mein Vater. Na ja, sag ich, Hanno Benz stärken, SPD wählen, hat nicht wirklich verfangen. Die SPD, sagt meine Mutter, hat mit 15,8 % ihr schlechteste Ergebnis aller Zeiten. Die SPD ist Zweiter geworden, sagt mein Vater, und stabil geblieben. Ich mag Bijan ja, sag ich, aber das hat er einfach nur schön geredet. Wieso, fragt mein Vater. Nehmen wir mal an, sag ich, es hätte einen Benz-Boost gegeben, dann wär der gerade mal 2,3 % wert. Weil, fragt mein Vater. Weil, sag ich, die SPD hessenweit 3,2 % verloren hat und in Darmstadt nur 0,9. Wären zwei Sitze, sagt mein Vater. Und die SPD wäre ohne ihn gerade mal 13,5 % wert, sagt meine Mutter, herzlichen Glückwunsch! Am meisten haben die Grünen verloren, sagt mein Vater, 4,6 % und 4 Sitze, da warens nur noch 16, für ne Mehrheit braucht man 36. Eine stabile Mehrheit zu finden, sag ich, ist wie die Quadratur des Kreises. Zitat Bijan Kaffenberger, sagt mein Vater. Rechnerisch wärs ganz einfach, sagt meine Mutter, Grüne, SPD, CDU, das gibt sogar 38. Die schwarze Ampel, sagt mein Vater, in Darmstadt sind die Ampeln aber meistens rot. Verkehrswende trifft Mobilitätsfrieden, sag ich, könnte spannend werden. Wie liegen wir eigentlich sonst, fragt mein Vater, mit unseren Tipps? Ganz gut, sag ich, wir hatten gesagt: die Grünen verlieren ordentlich, bleiben aber stärkste Fraktion knapp vor der SPD, die CDU bleibt Dritter. Knapp vor der SPD, na ja, sagt meine Mutter, sehr deutlich würde ich sagen. Ja, okay, sagt mein Vater. Beim Rest sind wir nicht so gut, sag ich, Die Linke ist mit 10,2 % auf Platz 4, die hatten wir erst auf 5, UFFBASSE hatten wir auf 4, sind aber nur auf 7, Volt ist 5ter mit 9,9 %, denen hatten wir 7-8 % zugetraut. Ist doch gar nicht so schlecht, sagt mein Vater. Und vor allem gar nicht so wichtig, sagt meine Mutter, wen, außer uns, interessiert unser Familien-Tipp? Stimmt, sagt mein Vater. Was meint ihr, wie gehts weiter, frag ich. Schon schwarze Ampel, sagt mein Vater. SPD und CDU sind doch ein Neutralisierungsbündnis, sagt meine Mutter. Brav deinen grünen Heiko zitiert, sagt mein Vater, aber die CDU will klar erkennbar sein. Logisch, sagt meine Mutter, die hatten ihr zweitschlechtestes Ergebnis aller Zeiten, 14,5 % unterm Landesschnitt. Die SPD will Hanno Benz stärken, sag ich, das könnte man schon alles zusammen kriegen. Welches Szenario siehst du, fragt mein Vater. Inhaltlich oder personell, frag ich. Personell, sagt mein Vater, wen interessieren Inhalte? Also gut, sag ich, Volt-Holger wird abgewählt, hat eh nur noch ein Jahr, der rote Bijan löst ihn ab und stärkt seinen Freund Hanno, nächstes Jahr wird der grüne Michael wiedergewählt und Bürgermeisterin Barbara geht in den Ruhestand. Der grüne Entega-Philip kommt zurück und wird Bürgermeister, sagt mein Vater, der schwarze Paul wird 2028 wiedergewählt und über allen schwebt geräuschlos und unantastbar André, der Meister aller Kassen. Der macht noch, sag ich, seine vierte Amtszeit und dann, mit 66 Jahren, da fängt sein Leben an. 2028 tritt dieses Magistrats-Sextett, sagt meine Mutter, als Männerballett bei der Fastnacht auf. Und bevor es ganz dunkel wird, sag ich, wird Schneewittchen Kerstin 2029 endlich zur Oberbürgermeisterin gewählt. Schneewittchen und die fünf Zwerge, sagt mein Vater, ich seh das UFFBASSE-Plakat schon überall hängen. Fast wie im richtigen Märchen, sag ich. Genau, nur fast, sagt meine Mutter, die richtigen Märchen gehen nämlich immer gut aus.
