©Thea Nivea
Thea Nivea Glosse
Thea Nivea
Hi, ich bin Thea Nivea. Nivea hab ich von meinem Vater. Weil ich als Kind mal Nivea gegessen habe. Erklärt er jedem, ders nicht hörn will. Überhaupt erklärt er reichlich viel. Damit ich durchblicke, sagt er. Dabei blick ich schon durch, sogar bei Politik. Oder bei Fußball. Und erklär ihm auch manchmal was. Oder meine Mutter mischt sich ein. Was dabei raus kommt, na ja, könnt Ihr selbst lesen, jeden Monat. Wenn Ihr mir was erklärn wollt, schreibt mir einfach: t.nivea@frizzmag.de
Ich finds gut, sag ich, dass die Bayern mal wieder den DFB-Pokal gewonnen haben. Ich auch, sagt meine Mutter, liegt aber eher am Trainer als am Verein. Einverstanden, sagt mein Vater, Vincent hat die Bayern aus der Arroganz geführt und zu einer Kompanie von Sympathieträgern geformt. Papa, sag ich, du läufst sprachspielerisch zu Höchstform auf. Was man nicht, sagt mein Vater, von allen WM-Teilnehmern sagen kann. Baumann als neuer WM-Torhüter, sagt meine Mutter, wäre mir lieber gewesen als Neuer. Wird sowieso so kommen, sagt mein Vater. Neuer wg. seiner Wade stand jetzt im Wartestand, sag ich, wär ne realistische Schlagzeile, oder? Im Waadestand, sagt mein Vater, auf hessisch kommt das noch besser rüber. Comeback erst im Achtelfinale, sag ich, nächste Schlagzeile. Also nie, sagt meine Mutter, ich bin nämlich für 3x hintereinander raus in der Vorrunde, hab eh keine Lust auf diese widerliche Infantino-Trump-Inszenierung. Ich auch nicht, sag ich, insofern wärs okay, weil, wenn wir weiterkommen, würd ich vielleicht doch gucken. Die Vorrunde überstehen, sagt mein Vater, könnten wir schon, zum Ausscheiden gibts ja noch das 16tel-Finale. Stimmt, sag ich, Neuer gibt zu früh sein Comeback, muss in der 85. verletzt raus, Nagelsmann hat schon 5x gewechselt, Goretzka geht ins Tor und kassiert kurz vor Verlängerung noch einen. Ein sehr realistisches Szenario, sagt mein Vater. Na dann, sagt meine Mutter, sagt halt noch, gegen wen wir raus fliegen, und wir beenden dieses unsägliche Kapitel. Gegen Kenia, sag ich. Unmöglich, sagt meine Mutter, die sind doch gar nicht, wie ihr sagen würdet, in der Verlosung. Genau, sag ich. Dann versteh ichs nicht, sagt meine Mutter. Genau wie in Darmstadt, sagt mein Vater. Ach so, sagt meine Mutter, weil Kenia in Darmstadt auch raus ist. Eigentlich nie wirklich drin war, sag ich. Ihr wollt also, sagt meine Mutter, allen Ernstes über die Stavo reden? Warum nicht, sagt mein Vater, mal strategisch ausloten, was trotz dem Kasperltheater noch gehen könnte. Nix mehr, sagt meine Mutter, rien ne va plus, würde der Croupiers sagen. Im Roulette, sag ich, würde die Kugel dann bald fallen. Auf Schwarz oder Rot, sagt mein Vater, wär in Darmstadt ja egal. Oder auf die grüne Null, sagt meine Mutter. Auf welcher der 16, fragt mein Vater. Roulette und Stavo, sag ich, ist ne schwierige Analogie, lasst uns lieber Klartext reden, welche Strategie seht ihr hinter diesen Blockbildungen? Wenn es eine gibt, sagt mein Vater, dann hat sich Rot/Schwarz schwer verzockt. Oder Grün/Lila gekonnt gekontert, sagt meine Mutter. Fakt ist, sag ich, dass es für den SPD/CDU-Block kaum ne Chance auf Mehrheiten gibt. Stimmt, sagt mein Vater, weil die AfD für alle grundsätzlich als Bündnispartner ausgeschlossen ist. Ja, sag ich, und die CDU hat außerdem noch nen Unvereinbarkeitsbeschluss in Sachen Linke. Heißt, sagt mein Vater, SPD und CDU haben 22 Sitze, 14 fehlen zur Mehrheit, Uffbasse, KAD und FDP haben zusammen nur 12. Hingegen, sag ich, haben Grüne und Volt zusammen 23, 13 Sitze fehlen zur Mehrheit, genau die hätten Linke und Uffbasse. Keine so abwegige Konstellation, sagt meine Mutter. Punktuell, sag ich, wird das öfter vorkommen, da wird man nicht lange drum betteln müssen. Jedenfalls, sagt mein Vater, nicht hartnäckig und nachdrücklich. Grundsätzlich, sag ich, könnte man ja auch ohne feste Koalitionen auskommen können. Das erfordert allerdings, sagt meine Mutter, allenthalben hohe kommunikative Kompetenzen. Apropos Kompetenzen, frag ich, was genau ist am 24. Juni? Ende der Spargelsaison, sagt meine Mutter. Halbzeit für Hanno Benz, sagt mein Vater. Richtig, sag ich. Ist das erst, fragt meine Mutter, drei Jahre her? Schon, sagt mein Vater. Naja, sagt meine Mutter, noch drei Jahre im gleichen Kommunikationsstil, das wird nicht einfach. Also doch Fußball gucken, sagt mein Vater, am 24. Juni spielt Kolumbien gegen Kongo. Dann lieber, sag ich, am 18.6. … … da spielt, unterbricht mich mein Vater, Kolumbien gegen Usbekistan, allerdings um 4 Uhr morgens. Nein, sag ich, Ich meine 4 Uhr nachmittags, Kasperltheater im Liebighaus.
