©Thea Nivea
Thea Nivea Glosse
Thea Nivea
Hi, ich bin Thea Nivea. Nivea hab ich von meinem Vater. Weil ich als Kind mal Nivea gegessen habe. Erklärt er jedem, ders nicht hörn will. Überhaupt erklärt er reichlich viel. Damit ich durchblicke, sagt er. Dabei blick ich schon durch, sogar bei Politik. Oder bei Fußball. Und erklär ihm auch manchmal was. Oder meine Mutter mischt sich ein. Was dabei raus kommt, na ja, könnt Ihr selbst lesen, jeden Monat. Wenn Ihr mir was erklärn wollt, schreibt mir einfach: t.nivea@frizzmag.de
Wann, frag ich meinen Vater, trittst du aus der SPD aus? Das, sagt mein Vater, frag ich mich in letzter Zeit auch öfter. Also konkret wann, fragt meine Mutter, oder wie viele Gründe brauchst du noch? Der Göschwaz mit der Krankschreibung, sag ich, reicht doch schon für sich allein. Gröschwaz, fragt meine Mutter. Größter Schwachsinn aller Zeiten, sagt mein Vater, aber der ist ja gar nicht auf dem Mist der SPD gewachsen. Das betont eure Basbärbel sehr beflissen, sagt meine Mutter. Und das ist das noch größere Problem, sag ich, wenn man was vereinbart hat, dann muss man das auch konsequent vertreten. Und, fragt mich meine Mutter, wie würdest du das sozialverträglich begründen? Als lebenserwartungsfördernde und arbeitskraftsichernde Maßnahme, sag ich. Ach ja, sagt mein Vater, dann erklär mal. Nehmen wir, sag ich, die von Jens Spahn zitierte morgendliche Frage auf der Bettkante: Geh ich heute zur Arbeit oder geh ich nicht? Die meisten, die sich, sagen wir montags, sehr mies fühlen, würden wahrscheinlich trotzdem gehen, einen Tag später, wenn es ihnen noch mieser geht, für ein oder zwei Tage zuhause bleiben, dann, obwohl es ihnen noch nicht wirklich gut geht, freitags wieder arbeiten gehen und sich am Wochenende auskurieren. Gut, sagt meine Mutter, ist realistisch und ändert sich dann wie? Ich fühle mich montags sehr mies, sag ich, gehe gleich zum Arzt, der schreibt mich vorsichtshalber eher ne Woche krank als gar nicht, ich kuriere mich aus, stecke niemanden an, bin bis freitags wieder fit, genieße das Wochenende und geh mit Aufschwung am Montag meiner Beschäftigung nach. Verstehe, sagt mein Vater, das ist wahrhaftig christlich und sozial gedacht. Ja, sag ich, es kommt immer auf das Wording an. Und, sagt meine Mutter, die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung schafft mehr Nähe und dadurch ein Gefühl von Wärme und Zuwendung. Und, sag ich, per Video kann ich meinem Arzt ins Gesicht schauen und muss mich selbst wenigstens ein bisschen zurecht machen, das fördert die Selbstachtung und erhöht die Resilienz. Im Ernst, sagt mein Vater, wäre Jens ein paar Wochen früher Mutter geworden, wäre uns das alles erspart geblieben, frei nach Konstantin Wecker: Am Sonntag am Spielplatz um dreiviertel zehn, da lässt der Herr Richter sein … Wir kennen das, Papa, sag ich, aber den Satz mit der Mutter hättest du dir spahn können. Okay, sagt mein Vater, klar war aber, dass er daran jetzt dann doch scheitert. Wenns um Moral geht, sagt meine Mutter, kennt die CDU halt keine Gnade. Viel schlimmer finde ich, sag ich, woran er zuvor alles nicht gescheitert ist. So ein Kind, sagt meine Mutter, via Leihmutter aus den USA, wisst ihr eigentlich, wie viel das kostet? Keine Ahnung, sagt mein Vater. Ungefähr 180.000 Euro, sagt meine Mutter. Quelle, frag ich. F.A.S., sagt meine Mutter, Interview mit einem Männerpaar. Sagt man Männerpaar, fragt mein Vater. Die KI, sag ich, sagt, dass man das so sagen kann. Na dann, sagt meine Mutter. Apropos Männerpaar, sag ich, Benz und Klötzner vertragen sich wieder. Volt kommt langsam mit ins Boot, sagt mein Vater, tut mir Leid für die Grünen. Auf dein heuchlerisches Bedauern, sagt meine Mutter, kann ich verzichten. Bei aller punktuell sachlichen Übereinstimmung, sag ich, es gibt handfeste personelle Gründe für Volt, bei der Viererbande mitzumachen. Klar, sagt mein Vater, Klötzner wird wieder gewählt und Volt unterstützt dafür die Wahl von SPD/FDP-Dezernenten und die Grünen sind alle weg. Ja genau, sagt meine Mutter, bewahrt euch nur eure Machtphantasien. Oder, sagt mein Vater, Kerstin Lau wird Bürgermeisterin und verzichtet dafür auf eine OB-Kandidatur. Das Angebot, sag ich, lehnt sie ab. Sonst noch Ideen, fragt meine Mutter, vielleicht dass Michael Siebert nochmal Bürgermeister wird und die Planung der Rheinstraßenbrücke übernimmt? Als Kandidat der SPD vielleicht, frag ich, das wär doch noch ein Grund zum Austritt. Ich hab keine Eile, sagt mein Vater. Warum, fragt meine Mutter. Es wird, sagt mein Vater, auch in Zukunft genug Gründe geben, aus der SPD auszutreten.
